Promovieren als Monografie oder Publikation?

Promovieren als Monografie oder Publikation?

Heute hatte ich ein sehr langes Telefonat mit einer Klientin und wir tauschten uns aus zur Frage: Wäre es für sie besser, ihre Dissertation als Monografie zu verfassen, oder wäre eine Publikation die effektivere Lösung?

 

Dieses Thema beschäftigt viele meiner Kunden, daher habe ich beschlossen einen Artikel zu dieser Frage zu schreiben. Leider kann ich dir schon jetzt sagen: Die eine, richtige Antwort gibt es darauf nicht. Es gibt aber prinzipiell Vor- und Nachteile, die du als Doktorand unbedingt bei deiner Entscheidungsfindung berücksichtigen solltest.

 

Publikationen sind für Minimalisten

 

Ich gebe es ehrlich zu: Ich habe in meinem Leben noch nie eine Monografie verfasst. Lange wissenschaftliche Texte machen mir Angst. Nicht die anderer Leute, aber definitiv die, die ich selbst schreiben soll.

 

Ich weiß schlichtweg nicht, woher ich die Berge an Literatur, die man für eine Monographie braucht, nehmen soll. Ganz zu schweigen davon, wie ich diese dann auch noch sinnvoll in einer Einleitung von über 40 Seiten verpacken soll.

 

Ich bin ein Mensch der kurzen und direkten Wege. Sobald ich weiß, wo ich hin will, ist da zwischen mir und dem Ziel nur noch inhaltlicher Kahlschlag.

 

Daher ergriff ich sofort die Chance, als sich in meinem letzten Studienjahr die Prüfungsordnung änderte und das Verfassen von Diplomarbeiten als Publikation erstmalig erlaubt war.

 

Das Resultat waren 38 Seiten effizienter Inhalt – exzellent. Bei meiner Promotion machte ich es dann gleich wieder so: Drei Publikationen als Erstautor, dazu eine allgemeine Einleitung und eine abschließende Diskussion. Hätte man mir erlaubt, auch die Einleitung und Diskussion wegzulassen, ich hätte es gemacht.

 

Doch was für mich gilt – gilt nicht zwangsweise für dich! Es gibt viele Doktoranden in der Medizin und in den Naturwissenschaften, denen es nicht schwer fällt mit vielen Quellen zu arbeiten und diese in einem Manuskript zu verarbeiten. Und das ist beneidenswert!

 

Es gibt dabei aber ein Risiko, das beachtet werden muss: Oft beobachte ich, dass das Schreiben langer Aufsätze potentiell damit einhergeht, dass der Autor nicht auf die eine, prägnante Fragestellung „hinschreibt“. Stattdessen werden viele Themenbereiche nacheinander abgearbeitet, bevor der Leser dann völlig überraschend vor einer Ansammlung von Hypothesen zum Stehen kommt.

 

Das ist aber nicht zwangsweise ein Fehler des Doktoranden! Meiner Meinung nach liegt das eher am Wesen der Monographie. Ich würde fast sagen, dass die Monografie den Autor dazu verleitet, dies zu tun. Vierzig Seiten Einleitung sind extrem viel Inhalt, sodass man als Autor wahnsinnig schnell den Überblick verlieren kann. Hier den roten Faden zu finden, ist wirklich keine leichte Aufgabe!

 

Ganz anders bei der Publikation: Hier arbeitet man sich innerhalb weniger Seiten von einer breitangelegten thematischen Einführung immer mehr in Richtung der zentralen Fragestellung vor. Zwangsweise. Denn es fällt sofort auf, wenn man es nicht tut.

 

Ich nenne dieses Vorgehen den Einleitungstrichter, weil es im besten Fall so wirkt, als ob am Ende der Einleitung gar nichts anderes mehr übrig bleibt, als genau diese eine Fragestellung zu bearbeiten.

 

Der Vorteil der Publikation ist somit ganz klar: Die Einleitung ist so kurz, dass man so gut wie jeden Satz auswendig kennt und kaum den Überblick verlieren kann. Man feilt und löscht frei nach dem Motto „Das ist unnötig, das kann weg“, und zwar solange bis man den perfekten Aufbau geschaffen hat. Das Schreiben einer Publikation erfordert somit Freude an Reduktion und viel Genauigkeit, da hier jedes einzelne Wort zählt.

 

Der Vorteil der Monografie ist hingegen, dass man so viel schreiben kann, wie man will. Solange man dabei nicht den Überblick verliert, ist dem Umfang keine Grenze gesetzt (wobei ein Blick in die Prüfungsordnung nicht schaden kann).

 

Publizieren dauert laaaange

 

Während eine Monografie von zwei, manchmal drei Gutachtern, von denen mindestens einer dein direkter Betreuer ist, beurteilt wird, durchläuft die Publikation einen internationalen Reviewprozess.

 

Das bedeutet: Weil eine Monografie bei der internen Begutachtung praktisch hausintern verarbeitet wird, ist die Gefahr inhaltlicher und methodischer Kritik, die dich zwingt, alles neu aufzurollen, relativ klein. Schließlich haben dein Betreuer und du die Studie gemeinsam entwickelt. Somit kann da also nach dem Abgeben nicht mehr viel schief gehen.

 

Reviewer im Rahmen des Publikationsprozesses kommen aber aus fremden Arbeitsgruppen, die sich mit ähnlichen Themen beschäftigen, aber sehr wahrscheinlich anderen Forschungsparadigmen folgen und deine Methodik, Auswertung und Interpretation im schlimmsten Fall als totalen Unsinn einstufen.

 

Was folg, ist dann entweder die sofortige Ablehnung deines Papers oder ein ellenlanger Revisionsprozess, im Zuge dessen die Publikation stark überarbeitet werden muss – und zwar häufig in allen Bereichen: hinsichtlich der Literatur, der Auswertung und ganz sicher der Diskussion der Ergebnisse.

 

Steht also in deiner Promotionsordnung, dass die Promotion eingereicht werden darf, sobald die zugrunde liegende Publikation akzeptiert wurde, musst du neben dem Schreiben noch sehr viel zusätzliche Zeit für den Revisionsprozess einplanen.

 

Deutlich bessere Karten hast du, wenn die Promotionsordnung vorsieht, dass die Publikation nur veröffentlichungsfähig sein muss– das ist nämlich dann erreicht, wenn das Manuskript beim Journal eingereicht wurde. Der Reviewprozess kann dir in diesem Fall total egal sein, denn eingereicht ist eingereicht.

 

Wenn dich der vorherige Punkt nicht abgeschreckt hat und du dich trotzdem für eine Publikation entscheidest, solltest du dich über die folgenden Punkte genau informieren, denn diese helfen dir, den Publikationsprozess zumindest etwas zu verkürzen:

 

Welches Journal kommt für mich in Frage?

 

Die Antwort findest du, wenn du dir ehrlich überlegst, wie relevant deine Ergebnisse für die weltweite Forschungsgemeinschaft überhaupt sind. Je unsicherer du dir bzgl. der Qualität deiner Ergebnisse, des Studiendesigns, der Datenerhebung oder deren Auswertung bist, vor allem aber je weniger Erfahrung du selbst oder dein akademischer Betreuer im Bereich Publikation hast, desto weiter „unten“ solltest du bei der Journalauswahl ansetzen.

 

Und wie definiert sich „unten“? Ganz klar – über den Impact Factor (IF). Dieser gibt an, wie häufig eine Publikation dieses Journals in Form einer Referenz innerhalb anderer Publikationen erwähnt wurde. Je häufiger das passiert, desto höher ist der Impact Factor. Es ist daher wichtig, dass du herausfindest, welcher IF in deiner Disziplin als hoch gilt, welchen IF Journale im Mittelfeld haben und welchen das übliche Wald-und-Wiesen-Journal hat.

 

Generell gilt: Je tiefer du einreichst, desto besser stehen deine Chancen, schnell und schmerzlos zu publizieren.

 

Daher prüfe die Qualität deiner Arbeit genau und reiche sie dann bei einem passenden Journal ein.

 

Mag das Journal dein Thema?

 

Ein zweiter wichtiger Punkt, den du bei der Auswahl deines Zieljournals beachten solltest, ist, ob das Journal sich mit deiner Forschungsfrage beschäftigt.

 

Das ist tatsächlich gar nicht so trivial. Journale können fast identische Namen besitzen und trotzdem unterschiedliche Interessensschwerpunkte haben, denn auch auf diesem Markt sucht jeder seine Nische. Reichst du beim falschen Journal ein, ist das verschwendete Lebensenergie.

 

Lies dir daher unbedingt bei jeder Journal-Homepage den Abschnitt „About the Journal“ durch. Hier steht klipp und klar, wofür das Journal steht und was für Forschungsarbeiten es veröffentlichen möchte. Passt es nicht zu deiner Arbeit, such dir ein anderes.

 

Welche Formatvorgaben hat dein Journal?

 

Anders als deine Uni, die zwar auch spezielle Anforderungen an die Formatierung deiner Arbeit hat und die du bei der Einreichung deiner Dissertation so oder so einhalten musst, haben Journale noch einmal deutlich strengere und vor allem einzigartige Formatierungsstile.

 

Das betrifft zum einen den Zitationsstil (den du aber glücklicherweise in Zitationsprogrammen wie Mendeley völlig automatisch anpassen kannst), zum anderen − und das ist deutlich nerviger − betrifft es den Aufbau und die Formatierung des Manuskripts selbst.

 

Dies beginnt bei den Titeln der Tabellen und geht über zu den Breiten der Grafiken, den verwendeten Schriftgrößen in den Grafiken, der Platzierung der Legenden, der Art der verwendeten Linien, die Anzahl der Dezimalen des p-Wertes, wenn er signifikant ist, was sich wiederum von den Anzahl der Dezimalen unterscheiden kann, wenn er nicht signifikant ist. Du kannst es dir vorstellen.

 

Ich habe mittlerweile so vielen Klienten beim Publizieren geholfen, dass ich mich bei der Frage nach dem WARUM dieser endlosen Anzahl von Formatierungsstilen für die einzig mögliche Erklärung entschieden habe: Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass ein Journal erst dann zugelassen wird, wenn es sicher nachweisen kann, dass es einen einzigartigen Formatierungsstil hat. Vielleicht ist das so eine Art interne ISBN-Nummer, anhand derer sich Journale untereinander erkennen. Verwundern würde es mich nicht.

 

Das heißt also: Wenn du dich für die Publikation entscheidest, solltest du dir schon vor dem Schreiben überlegen, wo du publizierst und die Formatierungsvorgaben sofort umsetzen. Sie erst im Nachhinein integrieren zu wollen, wird dich jede Menge Nerven und schlaflose Nächte kosten.

 

Publikationen haben Anleitungen, Monografien werden sich selbst überlassen

 

Doktoranden, die Monografien schreiben, melden sich sehr oft bei mir, weil sie einfach nicht wissen, was sie wann, wie, wo schreiben sollen.

 

Die Unis geben den Doktoranden meistens nur eine sehr kurze Hilfe an die Hand, in der neben dem Zitationsstil und einer kurzen Anweisung bzgl. der Formatierung des Manuskriptes meist nur steht, dass man doch bitte eine Zusammenfassung, eine Einleitung, eine Methoden- und einen Ergebnisteil sowie eine Diskussion schreiben soll. Wenn es gut läuft, gibt es noch eine inhaltliche Kurzbeschreibung der einzelnen Teile, das ist dann aber in 99 % der Fälle schon das höchste der Gefühle.

 

Hat du dann noch einen Betreuer, der wenig Zeit und Muße hat, sich mit deinen Schreibproblemen zu beschäftigen, stehst du ziemlich schnell alleine da und weißt nicht mehr weiter.

 

Daher empfehle ich jedem Doktoranden, der eine Monografie verfassen möchte, sich einfach an Publikationen zu orientieren – klingt bescheuert? Ist es aber nicht!

 

In den letzten Jahrzehnten wurden so viele Manuskripte veröffentlicht, deren Methoden und Ergebnisteile gelinde gesagt unzureichend waren, dass sich verschiedene Fachgremien überlegt haben, dass es doch von nun an besser wäre, den Autoren für jeden Studientyp eine genaue Anforderungsliste an die Hand zu geben.

 

Was einerseits ein (aufwendiger) Nachteil ist, weil es sehr nervig sein kann, jedes kleinste Detail herauszusuchen und zu berichten, birgt gleichzeitig aber auch viele Vorteile.

 

Mittlerweile findet man auf jeder Journalhomepage unter der Sektion „Authors guide“ oder auch „Instructions for Authors“ eine riesige Untersektion, in der man sich nur seinen Studientyp heraussuchen muss, auf einen Link klickt, um dann zu einer Übersichtsplattform geführt zu werden, auf der genau erklärt wird, was, wann, wie, wo berichtet werden muss.

 

Diese Listen kann man als Doktorand einer Monografie natürlich ebenfalls abarbeiten − und zack ist die Struktur der Arbeit klar.

 

Ist man also schlau, ist auch das Verfassen einer Monografie für alle machbar, denen gerade die „Herzstücke“ des Manuskripts, also die Methoden und die Resultate ein absoluter Graus sind und deren Betreuer sie wenig unterstützen.

 

Deine Betreuerin profitiert von Publikationen – und das solltest du ausnutzen

 

Publikationen bringen Punkte, und Punkte bringen Ansehen und Drittmittel. Das ist nun mal so. Als ich promoviert habe, wurde zweimal jährlich im gefürchteten Morgenmeeting aufgedröselt, welche Arbeitsgruppe wann, wie, wo publiziert hat und wie unser Institut im Vergleich zu den anderen innerhalb der Uniklinik rankte.

 

Zu wenige Publikationen waren schlecht, gaaanz schlecht. Da gab es dann erstmal einen Einlauf vom Institutschef.

 

Somit dauerte es natürlich auch nicht lange, bis die kumulative Dissertation (also die Dissertation in Form von drei Publikationen) die Monografie als häufigste Promotionsform ablöste. Denn plötzlich war es nicht mehr die Aufgabe der Betreuer, aus einer Monografie eine oder mehrere Veröffentlichungen zu extrahieren, sobald der Doktorand abgegeben hatte − stattdessen konnte der Doktorand dies schon während des Schreibens der Promotion selbst erledigen!

 

Diese Änderung stellte sich als unheimlich effizient heraus, denn sie erzeugte nicht nur weniger Arbeit für den Betreuer, sondern verbesserte auch ganz nebenbei die Publikationsbilanz der Institute (und somit die Laune unseres Institutsleiters) enorm.

 

Damit das Publizieren aber auch klappte, fingen die Betreuer an, sich deutlich intensiver um ihre Doktoranden zu kümmern. Arbeiten wurden gemeinsam besprochen, konzipiert und nach dem Schreiben vom Betreuer überarbeitet.

 

Eine Publikation schreibt der Doktorand somit − anders als die Monografie −  nicht allein! Betreuer haben ein enormes Interesse daran, dass sie Punkte durch die Publikation erhalten. Somit unterstützen sie ihre Doktoranden deutlich mehr.

 

Hast du also Sorge, während deiner Promotion allein auf weiter Flur zu stehen, dann such dir einen Betreuer, der viel publiziert. In publizierenden Arbeitsgruppen stehen die Chancen außerdem sehr gut, dass Projekte effizient durchgezogen und dann gemeinsam publiziert werden.

 

Das Wichtigste zum Schluss

 

Bevor du dich auf eine Form festlegst, musst du die Ergebnisse deiner Untersuchung kennen. Null-Ergebnisse können nur sehr schwer publiziert werden, weil sie sich schlechter als Beitrag zur Forschung verkaufen lassen. Obwohl Studien heute vor Beginn registriert werden müssen und nicht mehr so einfach in der Versenkung verschwinden können, heißt das aber noch lange nicht, dass die Ergebnisse auch nach deren Beendigung publiziert werden.

 

Das bedeutet also, dass eine Publikation nur für Dissertationen mit ausreichend aussagekräftigen Ergebnissen in Frage kommt. Ist das bei dir nicht der Fall, kommst du deutlich besser voran, wenn du die Monografie wählst. Hier lassen sich auch Studien mit methodischen Fehlern oder fehlenden Ergebnissen sehr gut „verkaufen“.

 

Fazit:

 

Monografien und Publikationen haben jeweils sehr spezifische Vor- und Nachteile, die man individuell abwägen muss.

Sobald die Resultate deiner Dissertation vorliegen, solltest du dich fragen:

 

Wie umfangreich sind meine Ergebnisse?

Schreibe ich lieber kurz und präzise, oder lang und etwas mehr in die Tiefe gehend?

Was sind meine langfristigen Ziele? Kann mir die Publikation oder die Monografie besser dabei helfen sie zu erreichen?

Habe ich genug Zeit, den Publikationsprozess abzuwarten?

Und vor allem: In welchem wissenschaftlichen Umfeld schreibe ich meine Dissertation?

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Corona blockiert dein Medizinstudium? Dann gründe eine Studygroup und arbeite an deiner Diss!

Corona blockiert dein Medizinstudium? Dann gründe eine Studygroup und arbeite an deiner Diss!

Corona hat uns alle voll erwischt. Normalerweise wäre ich jetzt gerade unterwegs, würde meine Ärzte vor Ort besuchen und Projekte planen. Tja, das kann ich aktuell vergessen.

 

Wie sieht es bei dir aus? Viele Studenten, die ich betreue, erzählen mir, dass sie aktuell keine Vorlesungen mehr haben, wieder daheim bei ihren Eltern sind und frustriert rumsitzen. Wenigstens an der eigenen Diss arbeiten könnte man ja jetzt, aber nein:

 

Da eure Betreuer voll und ganz ins Krisenmanagement eingebunden sind, sind sie natürlich auch nicht mehr ansprechbar. Datenerhebungen finden nicht mehr statt und keiner zeigt euch, wie ihr weitermachen sollt. Total frustrierend.

 

Für mich ist die Situation seit Beginn der Coronakrise ähnlich blöd – aber es gibt da immerhin eine Sache, die ich seit langem machen wollte.

 

Eigentlich ist jetzt nämlich genau die richtige Zeit, um wieder enger mit euch Studenten zusammenzuarbeiten.

 

Ich habe ja schon bei der Einführung meiner Forschungsakademie erzählt, dass ich in meiner Zeit als Wissenschaftlerin unglaublich gerne mit Studenten und Doktoranden zusammengearbeitet habe.

 

Zu Spitzenzeiten hatte ich ein Team aus bis zu 20 Leuten, mit denen ich eine riesige Trainingsstudie durchgezogen habe. Sehr viele von denen (und viele weitere in den Jahren davor und danach) habe ich auch durch ihre Abschlussarbeiten und  Dissertationen geschleust. Und das in Rekordzeit!

 

Mein Ansatz als Betreuerin war damals immer, den Studenten so viel Hilfestellung und Erklärung wie möglich zu geben, damit sie ihre Arbeit Schritt für Schritt selbstständig durchführen können. Quasi Hilfe zur Selbsthilfe – und das hat jedes Mal super geklappt! Meine Studenten waren ruck zuck fertig, keine Frustration, keine Ängste, sondern sicheres und ruhiges Arbeiten.

 

Mich hat es immer tierisch aufgeregt, wenn andere Wissenschaftler im meinem Umfeld Forschungsthemen vergeben haben, sich dann aber im Laufe des Projektes nicht mehr um ihre Studenten kümmern wollten.

 

Den universitären Regeln zufolge sollte ein Student zwar fähig sein, eine wissenschaftliche Arbeit eigenständig zu bearbeiten, ich habe das aber nie so interpretiert, dass er sie auch allein bearbeiten muss.

 

„Eigenständig, aber unter schrittweiser Anleitung“ war mein Motto an der Uni . Das ergibt den besten Lerneffekt und optimale Ergebnisse.

 

Nun, wo ich genauso viel Zeit habe wie ihr, könnten wir also endlich mein nächstes Wunschthema anpacken: Wir gründen gemeinsame Studiengruppen!

 

Ihr wisst ja vielleicht, dass ich Kurzberatungen anbiete. Die werden normalerweise von arbeitenden Ärzten genutzt, die in einer Intensivsitzung von bis zu 90 Minuten fokussierte Fragestellungen bearbeiten wollen.

 

Das Ganze läuft dann meist über Telefon oder Bildschirm und funktioniert total gut. Natürlich ist so eine Beratung für die allermeisten Studenten ein bisschen kostspielig.

 

Außerdem brauchen Studenten kontinuierliche Hilfe mit stetigen Impulsen, und nicht unbedingt eine Einzelsitzung.

 

Daher habe ich mir überlegt, die Einzelsitzungen per Zoom in virtuelle Gruppensitzungen umzuwandeln. Organisiert euch in Teams von bis zu 5 Personen, die ähnliche Fragen haben, und bildet zusammen eine Studygroup.

 

Einmalig oder regelmäßig können wir uns per ZOOM treffen und eure Daten auswerten. Ihr gebt mir ein Wunschthema, mit dem wir beginnen, und Schritt für Schritt arbeiten wir uns durch eure Promotionen.

 

Fragen, die z. B. immer wieder auftreten, sind:

 

  • Wie programmiere ich Fragebögen?
  • Wie importiere und organisiere ich mein Datenfile in SPSS?
  • Wie gehe ich überhaupt mit den Daten um?
  • Wie macht man die Deskriptive Statistik?
  • Wie finde ich den richtigen Test?
  • Wie führe ich eine ANOVA durch?
  • Wie rechne ich eine Regression?

 

Es gibt aber auch ganz praktische Fragen:

 

  • Wie benutze ich Zitationsprogramme oder suche Paper in Literaturdatenbanken?
  • Wie führe ich Telefoninterviews?
  • Und worauf kommt es eigentlich beim wissenschaftlichen Schreiben an?

 

So viele Bereiche, die man super in Kleingruppen bearbeiten kann!

 

Wenn ihr euch einfach den Beratungspreis von 170 € für 90 min teilt, wird es für alle bedeutend billiger (z. B. 35 € / Termin pro Person bei 5 Personen). Ihr bekommt eine an eure Bedürfnisse angepasste Beratung und arbeitet euch strukturiert durch eure Dissertationen.

 

Um zwischen den Treffen effektiv weiterarbeiten zu können, bekommt ihr nach jedem Termin eine Aufzeichnung der Sitzung.

 

Klingt das nicht super?! Genau. Machen wir also gemeinsam das Beste aus der Coronakrise!

 

Aber wie findet ihr eure Lernpartner?

 

Ganz einfach! Postet euer Interesse in meine Facebook-Gruppe: Promovieren in der Medizin – das schaffst du auch!

 

Gern helfe ich auch, Teams zusammenzustellen. Dann bucht einen Termin in meinem Kalender, sammelt die Einzelbeiträge über PayPal MoneyPool und los geht’s.

 

Ihr könnt mir dabei schon vor dem Termin das Thema samt einem Datensatz (oder einem Fragebogen, einer Studienidee oder was ihr so habt) zuschicken, damit ich unser Treffen vorbereiten kann.

 

Ich schicke euch dann eine Mail mit Link und schon treffen wir uns im virtuellen Kursraum.

 

Ganz wichtig: Auch wenn sich mein Angebot an Medizinstudenten richtet, ist diese Beratung im Rahmen von Corona auch für andere Fächer geöffnet. Fachspezifische Lerngruppen zu bauen, ist ja kein Problem.

 

Lasst uns also einfach das Beste aus dieser Zeit machen. Anstatt frustriert rumzusitzen, nutzen wir die Zeit im home office, um produktiv zu werden!

 

Und falls es euch aktuell nicht betrifft: Seid so lieb und leitet den Link zu diesem Artikel an eure Fachschaften oder über eure internen Emailverteiler / sozialen Netzwerke weiter. Die Nachricht soll so viele Studenten wie möglich erreichen.

 

Stellt euch mal vor: Wenn sich der Unibetrieb wieder normalisiert könntet ihr mit einer fertigen Dissertation da sitzen – super, oder?!

 

Als ehemalige Wissenschaftlerin und professionelle Statistikberaterin, die wirklich hunderte Medizinstudenten durch die Dissertation gelotst hat, kann ich sagen: Mit meiner Hilfe schafft ihr das!

 

Also meldet euch, ich freue mich sehr auf euch. Lasst uns starten!

 

Eure Magdalene

 

 

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Wie schreibt man den Methodenteil einer medizinischen Dissertation?

Wie schreibt man den Methodenteil einer medizinischen Dissertation?

In meinem vorherigen Artikel habe ich dir erklärt, warum es absolut notwendig ist, die Einleitung nicht am Anfang, sondern erst ganz am Ende deiner wissenschaftlichen Arbeit zu schreiben – du erinnerst dich? (Wenn nicht, kannst du die Gründe noch einmal in diesem Artikel nachlesen)

 

Stattdessen empfehle ich, immer zuerst mit dem Methodenteil zu beginnen. Warum?

 

Weil dir das Schreiben des Methodenteils helfen wird, deine Studie noch einmal zu strukturieren, sodass du ein gutes Grundgerüst für alle weiteren Teile hast.

 

In diesem Artikel werde ich dir daher genau erklären, WIE du den Methodenteil schreibst und WAS alles darin enthalten sein muss.

 

Elementar wichtig ist dabei aber zu verstehen, WARUM du den Methodenteil überhaupt schreiben musst.

 

In der Forschung streben wir alle nach Erkenntnisgewinn – wir versuchen also herauszufinden, wie die Welt / das Gehirn / unser Körper oder was auch immer funktioniert. Dazu eignen sich am besten Studien, die möglichst gut designt und ausgewertet wurden.

Ein Kriterium für eine gute Studie ist dabei die Replizierbarkeit der Ergebnisse – und genau die stellt ein guter Methodenteil sicher.

 

Der Methodenteil ist nämlich nichts anderes als eine genaue Anleitung, die anderen Forschern
ermöglichen soll, die Untersuchung zu wiederholen  – bei hoffentlich gleichen Resultaten.

 

Mich ärgert es daher sehr, wenn ich Publikationen lese, die ungenau geschrieben sind.

Wenn du nun also beginnst, deinen Methodenteil zu schreiben, überlege genau, welche Informationen der Leser bräuchte, um deine Studie nachzubauen.

 

WAS muss nun in den Methodenteil einer medizinischen Promotion hinein?

 

Für ein gelungenes Manuskript brauchst du 7 Teilbereiche. Du beginnst dabei eher breit mit der Beschreibung deines Studiendesigns und gehst dann immer mehr ins Detail, bis du bei der Statistik angekommen bist. So gelingt dann auch der perfekte Übergang zum Ergebnisteil.

 

Aber erstmal von vorn:

 

1. Das Studiendesign:

 

In diesem Abschnitt müssen die Grundzüge deiner Studie kurz und prägnant dargelegt werden:

Welche Art von Studie wurde durchgeführt? Bsp: Eine Beobachtungs- oder eine Interventionsstudie?

Wie wurden die Daten erhoben? Rückwirkend aus Akten (retrospektiv) oder während der laufenden Studie (prospektiv)?

Wie viele Patienten wurden insgesamt gemessen?

In welchem Zeitraum wurden Patienten in die Studie aufgenommen und untersucht? Bsp: Alle Patienten, die von Mai bis Oktober 2019 in Klinik x behandelt wurden und die Aufnahmekriterien erfüllten.

Welche Interventionsgruppen gab es? Bsp: Vergleich einer neuen vs. einer erprobten Operationsmethode.

Wie wurden die Patienten den Interventionsgruppen zugeordnet?  – Hier bitte die Art der Randomisierung und das Verhältnis der Gruppengrößen zueinander (1:1, 1:3 o. Ä.) angeben.

Im diesem Abschnitt bekommt der Leser also eine sehr knappe Zusammenfassung der Studie, deren Teilaspekte dann in den folgenden Abschnitten vertieft werden.

 

 

2. Das Ethikstatement:

 

Hier dreht sich alles um das Thema Patientenschutz. Es müssen dabei folgende Punkte angesprochen werden:

Der Name der Ethikkommission, bei der das Ethikvotum eingeholt wurde (inkl. der Registrierungsnummer der Studie im Deutschen Register klinischer Studien und der Nummer des Ethikantrags).

Ein Verweis darauf, dass die Studie z.B. die Richtlinien der Deklaration von Helsinki (2004) eingehalten hat.

Die Bestätigung darüber, dass alle Patienten über den Inhalt und den Ablauf der Studie informiert wurden.

 

Außerdem ein Vermerk, dass der Untersucher Sie darüber aufgeklärt hat, dass es ihr Recht war die Teilnahme an der Studie ohne negative Konsequenzen zu jedem Zeitpunkt abzubrechen.

Die Belehrung der Patienten muss dabei schriftlich durchgeführt und dokumentiert werden (via Aufklärungsbogen mit Unterschrift von Untersucher und Patienten).

Ihr merkt wahrscheinlich schon beim Lesen, dass das Ethikstatement einer festen Formulierung folgt. Man kann sie sehr gut aus den meisten deutschen oder englischen Publikationen abschreiben und an die eigene Studie anpassen.

 

 

3. Die Patientenpopulation:

 

Dieser Abschnitt beschreibt, wie die Teilnehmer der Studie gefunden wurden und welche Kriterien sie erfüllen mussten, um teilnehmen zu dürfen. Dabei werden drei Bereiche adressiert:

Rekrutierungsmethoden: Hier muss beschrieben werden, wie die Patienten für die Studie rekrutiert wurden (z.B. alle Patienten mit einer akuten Sinusitis, die vom Hausarzt in die Klinik überwiesen wurden)

Aufnahmekriterien:  An dieser Stelle müssen nun die Merkmale genannt werden, die ein Patient erfüllen musste, um an der Studie teilnehmen zu dürfen

Ausschlusskriterien:  Hier werden logischerweise die Merkmale aufgeführt, die ein Patient nicht haben durfte, da er sonst von der Teilnahme ausgeschlossen wurde.

 

Kurz, knackig, das reicht.

 

 

4. Die Intervention:

 

Hast du eine Interventionsstudie durchgeführt, muss in diesem Teil beschrieben werden, WIE die Interventionen aussahen, die von den Patienten durchlaufen wurden.

Dabei ist besonders wichtig, dass vorab ein grober Ablaufplan beschrieben wird. Hier muss erläutert werden, wann und wie oft ein Patient untersucht / behandelt wurde und was während der einzelnen Termine geschah.

Es könnte z.B. dargelegt werden, dass der Patient nach Aufnahme und Zustimmung zur Studienteilnahme eine erste Untersuchung bzgl. der Parameter abc bekam, um Baselinewerte für die Zielvariablen der Studie zu bekommen, sowie demografische Merkmale und die Krankheitsgeschichte des Patienten notiert wurden.

Im Anschluss sollte der weitere Ablauf beschrieben werden, dass also je nach zugeordnetem Studienarm Intervention A oder B durchgeführt wurde und dann zu den Zeitpunkten 1, 2, 3 die schon in Prä erhobenen klinischen Zielvariablen noch einmal erhoben wurden. Das reicht.

 

Im nächsten Schritt muss nun die durchgeführte Intervention im Detail beschrieben werden.  

 

Die Kunst ist es dabei, den feinen Grad zwischen zu viel und zu wenig Information zu finden. Der Leser muss verstehen können, was genau gemacht wurde, damit er es nachmachen oder zumindest die fachliche Sinnhaftigkeit der Intervention beurteilen kann.

Eine detaillierte Beschreibung absoluter Selbstverständlichkeiten (Und dann wurde dem Patienten der Ärmel hochgekrempelt, ein venöser Zugang gelegt und mit einem Pflaster fixiert …) sollte aber unbedingt vermieden werden.

Stattdessen können man eher schreiben: Während der gesamten Intervention wurden Sauerstoffsättigung und Puls (Produktname des Messgeräts, Firma ) überwacht.

Es sollten also alle verwendeten Geräte / Medikamente inkl. der wichtigsten Parameter (Einstellungen / Dosierungen)  genannt werden. Außerdem müssen sämtliche Abbruchkriterien beschrieben werden, also die klinischen Grenzwerte, die nicht überschritten werden durften, um die Intervention durchführen zu können.

Am Ende dieses Abschnitts muss dann nur noch der Ablauf der post-interventionellen Phase, also der Zeit nach der Intervention beschrieben werden – wiederum mit allen erhobenen Parametern, zeitlichen Abständen, verwendeten Medikamenten und Messverfahren.

 

 

5. Die klinischen Endpunkte:

 

Hat man die Beschreibung der Intervention erledigt, müssen die verschiedenen Zielparameter der Studie definiert werden.

Hier unterscheidet man zwischen den primären und sekundären Endpunkten.

Primäre Endpunkte könnten z.B. beim Vergleich zweier OP-Methoden, von denen die neue deutlich schonender sein soll, die Anzahl der aufgetretenen Komplikationen sein oder der Verlauf und die Höhe der Schmerzkurve in der post-interventionellen Phase.

Die primären Endpunkte sind also die wichtigsten Zielparameter der Studie, da sie die Kernhypothesen in messbare Werte übersetzen. Sie sollten daher fehlerfrei und für absolut jeden Messzeitzeitpunkt erhoben werden.

Die sekundären Endpunkte sind ebenfalls interessante Variablen, aber ein bisschen weniger wichtig. Sie komplementieren den Wissensgewinn, kommen aber in den Hypothesen eher weiter hinten.

Für jeden klinischen Endpunkt, ob primär oder sekundär, muss beschrieben werden, WIE, WOMIT, DURCH WEN und WIE OFT er gemessen wurde.

Außerdem muss erläutert werden, ob eine Verblindung des Untersuchers und / oder des Patienten stattfand sowie wo und wie die Ergebnisse dokumentiert wurden.

 

Wichtig: Die Reihenfolge der klinischen Endpunkte sollte die der Hypothesen in der Einleitung widerspiegeln und sich auch im Ergebnisteil wiederholen.

Das erleichtert das Leseverständnis enorm. Gibt es thematische Teilbereiche (z.B. Verhaltensdaten und physiologische Daten), die verschiedene Aspekte einer Fragestellung untersuchen, sollten auch diese getrennt und immer in der gleichen Reihfolge abgehandelt werden.

 

Hat man einen präzisen Methodenteil geschrieben, weiß der Leser danach nicht nur, wie er die Studie replizieren kann, sondern auch, welche Störvariablen sich ggf. negativ auf die Messung ausgewirkt haben könnten. Das ist besonders für mögliche Gutachter der Studie sehr wichtig.

 

 

6. Fallzahlschätzung

 

Du merkst wahrscheinlich schon, dass wir uns immer mehr in Richtung Auswertung bewegen. Vorab wird aber mittlerweile in fast jeder Publikation (und somit garantiert auch in deiner Dissertation) eine Fallzahlschätzung verlangt.

Eine Fallzahlschätzung leitet anhand vorheriger Studien, die ähnliche Fragestellungen bearbeitet haben, die benötigte Größe deiner Stichprobe ab. Berücksichtigt werden müssen dabei die Effektstärken der Studien, an denen du dich orientierst, und dein Studiendesign, denn daraus resultieren die zu verwendenden statistischen Verfahren, die du im Rahmen der Fallzahlschätzung modellierst.

Anhand dieser Parameter kannst du dann mithilfe eines geeigneten Programms (z.B. GPower) die Mindestgröße deiner benötigten Studienpopulation berechnen.

Die Schätzung muss also schon vor Beginn der Studie erfolgen, meistens schon vor dem Antrag an die Ethikkommission oder wenn der Drittmittelantrag geschrieben wird. Es lohnt sich also, dort einmal hineinzusehen und die Parameter dann einfach zu übernehmen.

 

 

7. Statistische Analyse

 

Jetzt kommen wir zum letzten Abschnitt des Methodenteils. Hier berichtest du, was du mit den erhobenen Daten gemacht hast. Genau wie bei der Beschreibung der Intervention musst du auch hier möglichst genaue Angaben über deine Analyseschritte machen, aber gleichzeitig darauf achten, überflüssige Informationen zu vermeiden.

Du beginnst dabei immer mit der deskriptiven Statistik. Der erste und wichtigste Satz ist dabei immer, dass die kontinuierlichen Variablen auf Normalverteilung geprüft wurden. Aus diesem Test leitet sich nämlich die Klasse der zu verwendenden statistischen Verfahren ab – also ob du parametrische oder nicht-parametrische Verfahren verwenden kannst.

 

Im nächsten Schritt solltest du beschreiben, wie du mit den verschiedenen Messniveaus deiner Variablen umgegangen bist.

 

Wie wurden deine metrischen Variablen (z.B. das Alter deiner Patienten) dargestellt, wie die ordinalen (z.B. Ratingskalen) und wie die nominalen (z.B. das Geschlecht).

Je nach Verteilung deiner Daten kann es sinnvoll sein, die kontinuierlichen Variablen als Mittelwerte und Standardabweichungen oder aber als Mediane und Quartile zu beschreiben. Nominale Daten sollten als absolute und relative Anteile dargestellt werden.

 

Im dritten Schritt beschreibst du nun die statistischen Verfahren, die du verwendet hast. Dabei sollten auch die wichtigsten Parameter innerhalb der Verfahren genannt werden. Dazu zählen z.B. die Faktorstruktur der ANOVAs oder der verwendete Algorithmus der Regressionen, aber auch die Tests, die für jede Hypothese und für jeden Datentyp benutzt wurden (inkl. der Follow-up-Tests).

Wichtig ist außerdem, die berichteten Effektstärken und deren Interpretation zu nennen (Welchem Wert entspricht ein kleiner, mittlerer oder großer Effekt?) und aufzuzeigen, inwiefern für multiple Vergleiche korrigiert wurde und wie mit fehlenden Werte verfahren wurde.

Generell ist es sehr wichtig, die statistische Analyse so zu beschreiben, dass der Leser die Auswertung wiederholen kann. Es hat außerdem den Vorteil, dass der Leser den folgenden Ergebnisteil besser versteht.

 

Und ganz wichtig: Eine genaue Beschreibung erlaubt späteren Studien eine bessere Fallzahlenschätzung – zumindest, wenn du auch den Ergebnisteil ordentlich schreibst.

 

Hast du diesen Punkt erreicht, kannst du direkt zum Resultateteil übergehen, denn den hast du jetzt perfekt vorbereitet.

Bevor du weitermachst, achte darauf, dass alle Ergebnisse vorliegen, wenn du mit dem Schreiben beginnst. Aber dazu mehr in meinem nächsten Artikel …

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Wie schreibt man eine wissenschaftliche Arbeit?

Wie schreibt man eine wissenschaftliche Arbeit?

Drei Wochen vor Abgabefrist meiner Diplomarbeit saß ich am Schreibtisch meines 12 qm-Zimmerchens mit Dachschräge, draußen waren es – wie in Konstanz im Sommer üblich – 35 Grad. Vor mir ein weißes Blatt Papier, ein dicker Ordner Probandendaten und eine Festplatte mit MEG-Daten, deren Auswertung 24 h vorher von unserem Großrechner ausgespuckt worden war.

Hinter mir lagen eineinhalb Jahre der theoretischen Vorbereitungen, Messungen, Datenvorverarbeitungen und endlosen Versuche, die Quellenlokalisation meiner MEG-Daten zum Laufen zu bekommen. Jetzt endlich war also alles da – aber nur noch 3 Wochen Zeit, um die Arbeit auch tatsächlich zu schreiben. Ein Grund zur Panik?

Wenn meine Klienten über das Schreiben einer wissenschaftlichen Arbeit sprechen, dann klingt das meist so: „Ich habe eine Arbeit zugeteilt bekommen, bei der ich aktuell die Daten erhebe und bald mit der Auswertung beginnen möchte. Mein Chef hat mir geraten, parallel schon einmal mit dem Schreiben der Einleitung zu beginnen. Daher suche ich gerade Hintergrundliteratur und arbeite die Stück für Stück in den Text ein. Sobald ich die Einleitung fertig habe, schaue ich, was bei der Datenauswertung rauskommt, schreibe die Ergebnisse auf, dann den Methodenteil, weil der so kompliziert ist, und ganz zum Schluss schreibe ich die Diskussion“.

 

Klingt auf den ersten Blick plausibel – ist aber falsch.

 

Eine gut geschriebene wissenschaftliche Arbeit ist ein harmonisches, organisches Wesen, ein sich in das Flussbett schmiegender Wasserstrom, auf dem wir dahinsegeln, ein Erdbeersorbet, das auf der Zunge zergeht. Eine schlecht geschriebene Arbeit ist eine Eiswüste, durch die man sich schrittweise durchquält und in der man nur noch hofft, die Strecke trotz Sturm und Dunkelheit zu überwinden, um bald am warmen Kamin zu sitzen. Warum?

Wer beim Verfassen seiner wissenschaftlichen Arbeit mit dem Schreiben der Einleitung beginnt, noch bevor er weiß, was überhaupt bei der Studie herauskommt, der begibt sich schon zu Beginn des Schreibprozesses in die Startlöcher für seine ganz persönliche Polarexpedition, denn schon an dieser Stelle wird der organische Fluss der Arbeit zerstört.

Vielleicht hat man Glück und es kommt zufällig genau das zur Einleitung passende Ergebnis heraus, besonders wahrscheinlich ist das aber nicht. Viel wahrscheinlicher ist es, dass der Autor, weil er eben nicht weiß, in welche Richtung er genau schreiben soll, in allem sehr vage bleibt, ein Thema nach dem anderen abhakt und am Ende ein in der Luft hängendes Forschungsthema definiert, das untersucht werden soll. Wenn es gut läuft, werden an den Schluss der Arbeit noch ein paar Hypothesen geklatscht – und das war‘s.

 

Hypothesen formulieren –  wann wie wo?

 

Ganz anders läuft es dagegen, wenn man die Datenauswertung schon hinter sich hat, Hypothesen geprüft wurden, weiß, ob sie bestätigt wurden oder nicht, und sich anhand der Ergebnisse einen roten Faden ziehen kann, der in der gesamten wissenschaftlichen Arbeit verfolgt wird. Was ich damit meine?

Stellt euch vor, ihr habt vor Beginn der Masterarbeit Hypothesen bekommen oder, noch besser, selbst definiert. Im Anschluss habt ihr die Fragestellungen in zu testende Variablen operationalisiert und in ein Studiendesign überführt. Die Daten werden erhoben und ausgewertet. Daraus resultiert am Ende ein festes Set an Ergebnissen, von dem ihr genau wisst, ob es zu euren initialen Hypothesen passt oder nicht.

Mit sehr großer Wahrscheinlichkeit ist es nun so, dass die Ergebnisse eure Hypothesen nicht 1:1 bestätigen. Vielleicht sind die Ergebnisse sogar gänzlich anders und eure Hypothesen waren falsch, vielleicht wurden aber auch nur einzelne Kernhypothesen bestätigt und andere nicht. In jedem Fall werden die Ergebnisse aber nicht mehr zu eurer Einleitung passen, die wahrscheinlich ohnehin schon eher vage formuliert wurde – eine mühselig zu lesende Kombination.

 

Was also tun?

 

Zuerst legt ihr die Einleitung beiseite und zwar weit, weit weg. Ihr solltet nicht einmal in die Versuchung kommen, an ihr weiterzuschreiben. Da es sehr wahrscheinlich ist, dass ihr, wie oben beschrieben, euer Forschungsthema nicht selbst entwickelt, sondern zugeteilt bekommen habt, wird euch zu diesem Zeitpunkt noch die theoretische Hintergrundarbeit zu eurem Thema fehlen, d. h., ihr habt noch keinen Überblick zum aktuellen Stand der Forschung, ihr wisst nicht, was andere Gruppen gemacht haben und welche Ergebnisse bisher vorliegen.

Das ist sehr wahrscheinlich auch der Grund, warum euer Betreuer oder eure Betreuerin von euch wollte, dass ihr die Einleitung beginnt – sie hilft euch, einen Überblick über die aktuelle Literatur zu bekommen. Grundsätzlich eine gute Idee, ABER wenn ihr jetzt einfach aufschreibt, was ihr lest, und die zu untersuchenden Themenbereiche einfach blockweise in der Einleitung ablegt, dann wird der Text kein leckeres Erdbeersorbet, sondern ein gnatschiger Kaugummi unter dem Schuh des Lesers.

 

So klappt die Literaturrecherche

 

Ihr werdet also stattdessen Excel öffnen und zu jedem Unterthema, das in eure Arbeit einfließt, einen neuen Tab öffnen. Dann schreibt ihr zu jedem Themenblock die Ergebnisse eurer Literaturrecherche auf – Studie für Studie und immer unter den folgenden Aspekten:

– Wie passt das zu meinem Thema?

– Was sind die Ergebnisse?

– Welche methodische Einzelheiten wurden genannt?

 

Schritt für Schritt zum Überblick

 

So bekommt ihr Schritt für Schritt einen sehr guten Überblick über euer Thema, der komprimiert und leicht zugänglich vor euch liegt und später zu einer Story zusammengesetzt werden kann. Wahrscheinlich fällt es euch jetzt auch deutlich leichter, die vorab festgelegten Hypothesen zu verstehen, und vielleicht regt dieses Vorgehen sogar an, diese noch etwas abzuändern (aber immer VOR der Datenauswertung!).

Da die Literaturrecherche ihre Zeit braucht, liegen die Daten wahrscheinlich mittlerweile schon vor und ihr könnt mit der Auswertung beginnen. Euer großer Vorteil ist nun, dass ihr wahrscheinlich einen ziemlich guten Überblick über die theoretische Ausgangslage habt und implizit sogar einen internen Fahrplan entwickeln konntet, anhand dessen ihr die Datenauswertung ganz straight durchziehen könnt.

Ihr werdet euch jetzt also anhand des in der Literaturrecherche gewonnenen Wissens durch die Datenanalyse hangeln und versuchen, zielgerichtet eure Hypothesen durchzuarbeiten. Wenn nun also ein nicht-hypothesenkonformes Ergebnis auftritt, wird es deutlich einfacher sein, dieses Ergebnis in die Ergebnisse der Literaturrecherche zu integrieren und in eure Story einzubetten. Ihr werdet also schon jetzt alternative Erklärungsideen entwickeln, die ihr wiederum in der Diskussion verarbeiten könnt – eine Steilvorlage für ein abgerundetes und interessantes Ende eurer wissenschaftlichen Arbeit.

Ihr seht also: Eine interessante wissenschaftliche Abhandlung zu schreiben, ist zwar nicht ganz einfach, aber auch kein Hexenwerk. Die einzelnen Teile ergeben sich aus dem Fluss der Arbeit heraus, sie bedingen einander und wachsen organisch, wenn man es richtig anstellt.

 

Welche Rolle spielt nun die Statistik?

 

Welche Rolle spielt nun die Statistik? Sie wird euch zum einem dabei helfen, eure Fragestellungen zu beantworten, zum anderen wird sie aber auch das Hilfsmittel dazu sein, eine richtige Argumentationslinie aufzubauen. Denn die Statistik hat die Möglichkeit, auch Alternativansätze zu überprüfen. Jedes Argument, das ihr anbringen möchtet, könnt ihr mit dem geeigneten statistischen Verfahren absichern. Ihr werdet mithilfe der Statistik also eine elegante Architektur aus Argumenten bauen können, die die Grundlage eures gesamten Manuskriptes bildet.

Und da wären wir nun wieder bei der Einleitung. Ihr habt also bis hierher euren theoretischen Unterbau gebildet. Dann habt ihr die Daten analysiert und eure Hypothesen bestätigt oder widerlegt. Anhand der Ergebnisse, die ihr nun wunderbar in die Literatur integrieren könnt, habt ihr die Architektur eurer Argumentationsstruktur aufgebaut und habt nun die Möglichkeit, eine elegante, gut strukturierte und auf euer Forschungsthema zugeschnittene, schlüssige Einleitung zu schreiben, die schon vorab alle für die Interpretation eurer Ergebnisse notwendigen theoretischen Hintergründe berücksichtigt – TATA!

 

Erst der Ergebnis- und Methodenteil, dann die Einleitung

 

Bevor ihr die Einleitung aber schreibt, beginnt erst mit dem Ergebnis- und dem Methodenteil. Wenn diese Herzstücke des Manuskripts vorliegen, dann schreibt ihr die Diskussion, in der ihr eure Ergebnisse besprecht und im Licht der für die Einleitung schon vorgesehenen Literatur diskutiert, und dann – ganz am Schluss – schreibt ihr eine kurze, knackige Einleitung, die elegant auf euer Thema und eure spezifische Fragestellung hinführt.

Und schon habt ihr anstelle eurer persönlichen Polarexpedition eine elegant dahinfließende wissenschaftliche Arbeit geschrieben, die den Leser an die Hand nimmt und ihn Schritt für Schritt hindurch geleitet. Ich liebe es!

In meiner Dachkammer habe ich es genauso gemacht – 14 h am Tag, 3 Wochen lang. Da ich den theoretischen Unterbau schon vorab erledigt hatte, konnte ich meine Ergebnisse zielgenau einpassen und mich in Abstimmung mit meinem Betreuer vom Ergebnisteil und den Methoden über die Diskussion bis zur Einleitung vorarbeiten. Es ist dabei relativ egal, ob ihr wie ich eine relativ kurze Arbeit als Vorbereitung einer späteren Publikation schreibt oder eine sehr lange Masterarbeit oder sogar Dissertation. Das Vorgehen ist immer das Gleiche.

 

Eine wissenschaftliche Arbeit ist nicht einfach – aber machbar!

 

Wichtig ist dabei immer zu wissen: Wissenschaftliches Schreiben ist nicht einfach. Ich hätte mich in diesen 3 Wochen immer wieder gern in den Bodensee gelegt, um am Grund nach Goldstücken zu tauchen oder was auch immer. So ziemlich alles wäre netter gewesen als zu Schreiben. Aber da das nicht zur Diskussion stand, habe ich es durchgezogen. Und am Ende kam ein schönes Manuskript heraus, das die Grundlage für eine Publikation gebildet hat, die sogar als Titelstory des veröffentlichenden Journals veröffentlicht wurde. Es hat sich also gelohnt. Und wenn ich das kann, könnt ihr es auch.

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