Woran erkennt man eine gute Statistik-Beratung?

Woran erkennt man eine gute Statistik-Beratung?

Statistik ist für viele Mediziner ein Buch mit 7-Siegeln. Total verständlich – denn sie findet innerhalb des Medizinstudiums kaum statt.

 

Sobald aber die empirische Doktorarbeit ansteht, haben Ärzte ein Problem, denn Statistik ist ein wichtiger Teil der medizinischen Dissertation, den man nicht umgehen kann.

 

Gerade für arbeitende Ärzte, die wenig Zeit haben, ist die Sache daher schnell klar: Ich hole mir Hilfe! Aber wie findet man einen guten Statistikberater?

 

In diesem Artikel erkläre ich dir, woran du eine qualitativ hochwertige Statistik-Beratung erkennst, und wie du bei deiner Suche am besten vorgehst.

 

 

 

Gute Beratung bekommst du vom Spezialisten

 

Das Allerwichtigste zuerst. Als Arzt hast du ziemlich spezielle Fragestellungen, die sich sehr von denen anderer Fächer unterscheiden. Daher hat sich innerhalb der Statistik ein Bereich entwickelt, der sich mit genau diesen fachspezifischen Problemen beschäftigt: Die Medizinstatistik oder auch Biostatistik, genannt.

 

Natürlich machen auch Ärzte einfache Gruppenvergleiche oder Zusammenhangsanalysen, sehr oft aber haben sie spezielle Fragen wie z.B.: Überleben Krebspatienten mit Chemotherapie länger als solche mit Bestrahlung? Oder: Gibt es Cut-Off-Werte in bestimmten Blutparametern, die mir das spätere Auftreten von Alzheimer vorhersagen?

 

Oftmals verstecken sich in den erhobenen Patientengruppen Störvariablen, die deine ganze Untersuchung ruinieren können, wenn du sie nicht zwischen den Gruppen angleichst. Wie man das macht wissen viele Statistikberater nicht, da Sie sich hauptsächlich mit anderen Fächern wie z.B. den Sozialwissenschaften oder der Politologie beschäftigen.

 

Es ist daher immer ratsam, sich von Anfang an einen Berater zu suchen, der sich auf Statistik für Mediziner spezialisiert hat.

 

 

 

Du promovierst?

 

Dann brauchst du einen Berater, der wissenschaftlich gearbeitet hat

 

Eine Dissertation ist eine wissenschaftliche Arbeit. Natürlich suchst du eigentlich einen Statistik-Berater, der dir möglichst effizient bei der Datenanalyse hilft. Das Problem ist aber, dass die Statistik kein isolierter Teil deiner Dissertation ist. Sie ist eher das Herz deiner Doktorarbeit (ganz bildlich gesprochen). Hier laufen alle Fäden deiner Forschungsfrage zusammen, werden innerhalb der Datenanalyse in Ergebnisse transformiert, und bilden dann die Grundlage deiner Diskussion.

 

Ein guter Statistikberater sollte also viel Erfahrung darin haben, deine spezifischen Forschungsfragen zu verstehen (oftmals muss er sie sogar mit dir zusammen entwickeln), und sie bei Bedarf in sinnvolle Hypothesen und Analysen übersetzen können, um die Ergebnisse im Anschluss in dein Manuskript zu integrieren.

 

Das klappt nur, wenn dein Berater schon viele eigene Manuskripte erstellt und – ganz wichtig- veröffentlicht hat.

 

Nur dann hat er immer wieder hartes, wissenschaftliches Feedback erhalten und gelernt, wie wissenschaftliches Arbeiten und Veröffentlichen funktioniert.

 

Berater, die bisher wenig wissenschaftlich gearbeitet haben können das nicht, weil sie die Analyse als isolierte Einheit betrachten. Ihnen übermittelst du während der Beratung ein festes Set an Variablen, mit denen sie rechnen sollen, und dazu eine zu testende Hypothese, das war‘s.

 

Im Gegenzug bekommst du eine Ausgabedatei oder eine kurze Dokumentation mit statischen Kennwerten und dann ist die Beratung beendet. Was du mit den Ergebnissen machst, ist dann deine Sache. Und eins kann ich dir sagen: Ab dem Level der Promotion lautet die Antwort: nicht viel.

 

Ich kann dir daher nur empfehlen gezielt nach Beratern zu suchen, die dir anhand ihrer Publikationsliste nachweisen können, dass Sie als Wissenschaftler gearbeitet und publiziert haben. Diese Statistikberater werden dir dabei helfen können Statistik und Manuskript zu verbinden.

 

 

 

Dein Statistikberater muss sich mit Medizin auskennen

 

Wenn ich meine Klienten frage, warum sie mit mir zusammen arbeiten, kommt eigentlich fast immer die gleiche Antwort: Weil ich Ihre Thematik verstehe.

 

Es gibt zwar den Mythos von der easy-peasy, auf einer Pobacke abzusitzenden Medizinerdissertation, die man quasi im Vorbeigehen beraten kann, aber meiner Erfahrung nach ist dem nicht so.

 

Medizinische Dissertationen untersuchen – nun ja – medizinische Fragestellungen. Und die physiologischen Prozesse unseres Körpers sind sehr komplex. Das Gleiche gilt für Behandlungsmethoden und – abläufe. Man muss sie wirklich verstehen, um sinnvolle statistische Analysen durchführen zu können.

 

Zusätzlich sollte ein guter Statistikberater auch viel Erfahrungen mit Patientendatensätzen mitbringen, da deren Qualität sich deutlich von denen der experimentellen Forschung unterscheidet.

 

Wenn dir also jemand erzählt, es wäre sehr einfach medizinische Datensätze auszuwerten, dann bist du definitiv bei der falschen Beratung gelandet.

 

 

 

Du hast keine gute akademische Betreuung? Such dir einen promovierten Berater

 

Jetzt kommen wir zu einem sehr speziellen Problem, das glücklicherweise nicht jeden Promovierenden betrifft, aber dennoch sehr häufig bei Medizinern zu finden ist: Dein Promotionsbetreuer ist nicht ausreichend für dich da.

 

Auf den ersten Blick ist das kein offensichtliches, mit Statistikberatung zusammenhängendes Problem, allerdings entwickeln sich daraus meist grundlegende Probleme, die über den Erfolg einer medizinische Promotion entscheiden können, und die ein promovierter Statistikberater, der selber ausreichend lange im Wissenschaftsbetrieb gearbeitet hat, gut adressieren kann.

 

Viele meiner Kunden kommen zu mir, weil sie mit Ihrer Dissertation ziemlich allein dastehen. Oft interessieren sich Ihre Betreuer nicht für Ihre Doktorarbeit, oder es fehlt schlicht weg die fachliche Kompetenz, um den Doktoranden wirklich helfen zu können.

 

Meine Aufgabe als Statistikberater ist es dann, mich in die Lage des Betreuers (nicht des Doktoranden!) hineinzuversetzen, und zusammen mit dem Doktoranden eine mehr oder weniger „fertige“ Dissertation zu erstellen, die bis auf Kleinigkeiten abgesegnet werden kann und möglichst wenig Engagement vom Betreuer erfordert.

 

Dabei geht es nicht um Ghostwriting, sondern um akademische Erfahrung, die man bekommt, wenn man selber jahrelang Doktoranden betreut und Forschung betrieben hat.

 

Ein unerfahrener Statistikberater, der nicht promoviert ist, kann in diesen Situationen nicht weiterhelfen. Im besten Falle hat man nach der Statistikberatung die Ergebnisse der Datenanalyse, aber vom Abgeben der Dissertation ist man noch sehr weit entfernt.

 

 

 

Traue niemals einer 24/7- Hotline

 

Wenn du auf Facebook, Instagram oder Google unterwegs bist, ist es ziemlich sicher, dass du schon mal die Werbung großer Beratungen gesehen hast. Berufsbedingt sehe ich die ständig, denn Facebook weiß ja, womit ich mich beschäftige.

 

Es gibt sehr große Firmen, die sich auf Statistikberatung spezialisiert haben und mit 24h-Hotlines werben, professionelle Jingles in der Warteschleife abspielen und sehr kompetent wirken.

 

Ich kenne diese Beratungen sehr gut und bin mir sicher, dass es auch dort unter Umständen möglich ist, gute Statistikberatung zu bekommen. Was ich aber auch ganz sicher weiß, ist, dass in diesen Firmen ein Gleichgewicht zwischen Gewinnspanne der Firma, Beraterhonorar und Werbekosten gefunden werden muss.

 

Werbung ist extrem teuer, für Google und Facebook ist das Schalten von Werbeanzeigen eine Gelddruckmaschine. Wer wirbt muss ein hohes Werbebudget einplanen, gerade dann wenn Werbung die einzige Akquisemethode ist und die Skalierung des Umsatzes davon abhängt.

 

Rechnet man den eingeplanten Gewinn des Unternehmens und die Gehälter der Mitarbeiter mit ein, wird schnell klar, dass es nur zwei Stellschrauben gibt, an denen man drehen kann, um die Firma am Laufen zu halten: Die Preise für die Statistikberatung – und die Honorar der vermittelten Statistikberater.

 

Während die eine Seite maximiert wird, wird die andere minimiert. Doch wer arbeitet für ein geringes Honorar? In den allermeisten Fällen sind das Studenten oder Berater mit wenig Erfahrung. Wenn du dir also einen erfahrenen Berater wünschst, such dir besser eine kleine, schon länger bestehende Statistikberatung, bei der du von Beginn an weißt, mit wem du zusammen arbeiten wirst.

 

Finanziell wird es auf einen gleichhohen oder sehr wahrscheinlich sogar geringeren Preis hinauslaufen. Aber hier bezahlst du für Qualität, eine Rund-um-Betreuung und fachliche Expertise, anstelle für Werbung, Gewinnmaximierung und Overhead.

 

Ganz wichtig: Die durchwachsende Qualität der Statistikberater der großen Beratungen kann man auch daran abschätzen, wieviele Berater in diesen Firmen arbeiten. Ich habe selber ein kleines Team aus Co-Beratern, von deren Kompetenz ich absolut überzeugt bin. Meine Berater sind alle promoviert, spezialisiert auf Medizinstatistik, haben etliche nationale und internationale Publikationen veröffentlicht und schon viele klinische Studien und medizinische Doktorarbeiten betreut.

 

Aber um diese Berater zu finden, habe ich mich wirklich auf den Kopf stellen müssen.

 

50 oder mehr von ähnlich hochqualifizierten Beratern finden zu können, halte ich somit für relativ unwahrscheinlich.

 

 

 

So findest du gute Statistikberater im Netz

 

Jetzt wo du weißt, warum es nicht gut ist, Beratungen auszuwählen, die dich mit Werbung bombardieren, stellt sich natürlich die Frage, wie du die guten Statistikberatungen denn dann findest?!

 

Ganz einfach: Benutze Google, aber mit Strategie.

 

Eine gute Freundin und Unternehmensberaterin meinte mal zu mir, dass man bei Google auf Seite 3 glatt einen Mord begehen könnte und keiner würde es merken. Das stimmt, kann aber auch für den Suchenden von Vorteil sein.

 

Kleine, hochspezialisierte Beratungen investieren mit hoher Wahrscheinlichkeit sehr viel Zeit in die Qualität Ihrer Beratung und in ihre eigene fachliche Weiterbildung. Bedeutend weniger Zeit und Geld investieren Sie in Werbung und SEO-Optimierung, da sie nicht darauf angewiesen sind Millionenumsätze zu machen um ein großes Team an festen Mitarbeitern und eine große Gewinnspanne zu erwirtschaften.

 

Gute Statistikberater werden außerdem über Mund-zu-Mund-Propaganda weiter empfohlen und müssen daher deutlich weniger Geld für eine gute Platzierung auf Google bezahlen.

 

Daher ist es sehr wahrscheinlich, dass qualitativ hochwertige Beratungen nicht auf Seite 1, und oft auch nicht auf Seite 2 bei Google zu finden sind.

 

Es lohnt sich also immer, diese ersten Seiten hinter sich zu lassen und mal auf Seite 3 -5 zu schauen.

 

Außerdem ist es deutlich effektiver, nach komplexen Begriffen zu googlen. Anstatt „Statistikberatung” kommt man schneller mit „Statistik für Mediziner“, „Statistik für Ärzte“, oder „Statistikberatung Medizin“ ans Ziel.

 

Warum ist das so?

 

Die großen Statistikberatungen bedienen alle Fächer. Dort gibt es (aus den vorher genannten Gründen) keine spezialisierten Berater. Daher wird auch sehr viel Werbebudget für allgemeine Schlagwörter verwendet, die deutlich teurer sind.

 

Da kleine Beratungen oftmals hochwertigen Content auf Ihren Seiten veröffentlichen, rankt Google kleine Firmen in deren Nischengebieten deutlich höher als bei den allgemeinen Suchbegriffen.

 

Googelst du also möglichst genau, wirst du gute Statistikberatungen finden, die auf dein Fach spezialisiert sind.

 

 

 

Um das noch mal zusammenzufassen

 

Wenn du als Mediziner eine qualitativ hochwertige Statistikberatung suchst, die deine Dissertation effektiv betreut, dann geh folgendermaßen vor:

 

  • Google genau was du suchst, z.B. “Statistikberatung für Ärzte”
  • Nimm dir die Zeit auch auf den hinteren Seiten bei Google zu suchen
  • Kompetente Berater liefern Content auf Ihren Seiten, der dir wirklich weiter hilft
  • Sie werben eher wenig, auch weil sie gut genug sind um von Mund-zu-Mund-Propaganda leben zu können
  • Wenn du promovierst, sollte auch dein Berater promoviert sein und genug wissenschaftliche Erfahrung mitbringen; suchst du Hilfe bei deiner Masterarbeit, ist diese Erfahrung weniger wichtig
  • Suche dir auf Mediziner spezialisierte Statistikberater, die wirklich nur und nicht auch in dieser Nische tätig sind
  • Kontaktiere nur Beratungen, bei denen von Anfang an klar ist, wer hinter dieser Firma steckt. 24/7-Hotlines vermitteln zwar oft ein Gefühl von Sicherheit, haben aber nicht unbedingt die besseren Berater.
  • Und abschließend: Nutze kostenlose Erstgespräche um deinen Berater kennen zu lernen. Nur wenn die Chemie zwischen dir und dem Berater – und nicht zwischen dir und dem Verkäufer in der Hotline- stimmt und du dich menschlich und fachlich verstanden fühlst, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass du bei dieser Statistikberatung gut aufgehoben bist.

 

Viel Glück bei deiner Suche!

 

 

 

 

Trag dich hier für Dr. Ortmanns beste Maildizin ein und erhalte regelmässige Tipps für deine medizinische Promotion

 

 

 

Du brauchst Hilfe bei der Datenanalyse? Dann vereinbare gern ein kostenloses Erstgespräch.

9 + 14 =

Promovieren als Monografie oder Publikation?

Promovieren als Monografie oder Publikation?

Heute hatte ich ein sehr langes Telefonat mit einer Klientin und wir tauschten uns aus zur Frage: Wäre es für sie besser, ihre Dissertation als Monografie zu verfassen, oder wäre eine Publikation die effektivere Lösung?

 

Dieses Thema beschäftigt viele meiner Kunden, daher habe ich beschlossen einen Artikel zu dieser Frage zu schreiben. Leider kann ich dir schon jetzt sagen: Die eine, richtige Antwort gibt es darauf nicht. Es gibt aber prinzipiell Vor- und Nachteile, die du als Doktorand unbedingt bei deiner Entscheidungsfindung berücksichtigen solltest.

 

Publikationen sind für Minimalisten

 

Ich gebe es ehrlich zu: Ich habe in meinem Leben noch nie eine Monografie verfasst. Lange wissenschaftliche Texte machen mir Angst. Nicht die anderer Leute, aber definitiv die, die ich selbst schreiben soll.

 

Ich weiß schlichtweg nicht, woher ich die Berge an Literatur, die man für eine Monographie braucht, nehmen soll. Ganz zu schweigen davon, wie ich diese dann auch noch sinnvoll in einer Einleitung von über 40 Seiten verpacken soll.

 

Ich bin ein Mensch der kurzen und direkten Wege. Sobald ich weiß, wo ich hin will, ist da zwischen mir und dem Ziel nur noch inhaltlicher Kahlschlag.

 

Daher ergriff ich sofort die Chance, als sich in meinem letzten Studienjahr die Prüfungsordnung änderte und das Verfassen von Diplomarbeiten als Publikation erstmalig erlaubt war.

 

Das Resultat waren 38 Seiten effizienter Inhalt – exzellent. Bei meiner Promotion machte ich es dann gleich wieder so: Drei Publikationen als Erstautor, dazu eine allgemeine Einleitung und eine abschließende Diskussion. Hätte man mir erlaubt, auch die Einleitung und Diskussion wegzulassen, ich hätte es gemacht.

 

Doch was für mich gilt – gilt nicht zwangsweise für dich! Es gibt viele Doktoranden in der Medizin und in den Naturwissenschaften, denen es nicht schwer fällt mit vielen Quellen zu arbeiten und diese in einem Manuskript zu verarbeiten. Und das ist beneidenswert!

 

Es gibt dabei aber ein Risiko, das beachtet werden muss: Oft beobachte ich, dass das Schreiben langer Aufsätze potentiell damit einhergeht, dass der Autor nicht auf die eine, prägnante Fragestellung „hinschreibt“. Stattdessen werden viele Themenbereiche nacheinander abgearbeitet, bevor der Leser dann völlig überraschend vor einer Ansammlung von Hypothesen zum Stehen kommt.

 

Das ist aber nicht zwangsweise ein Fehler des Doktoranden! Meiner Meinung nach liegt das eher am Wesen der Monographie. Ich würde fast sagen, dass die Monografie den Autor dazu verleitet, dies zu tun. Vierzig Seiten Einleitung sind extrem viel Inhalt, sodass man als Autor wahnsinnig schnell den Überblick verlieren kann. Hier den roten Faden zu finden, ist wirklich keine leichte Aufgabe!

 

Ganz anders bei der Publikation: Hier arbeitet man sich innerhalb weniger Seiten von einer breitangelegten thematischen Einführung immer mehr in Richtung der zentralen Fragestellung vor. Zwangsweise. Denn es fällt sofort auf, wenn man es nicht tut.

 

Ich nenne dieses Vorgehen den Einleitungstrichter, weil es im besten Fall so wirkt, als ob am Ende der Einleitung gar nichts anderes mehr übrig bleibt, als genau diese eine Fragestellung zu bearbeiten.

 

Der Vorteil der Publikation ist somit ganz klar: Die Einleitung ist so kurz, dass man so gut wie jeden Satz auswendig kennt und kaum den Überblick verlieren kann. Man feilt und löscht frei nach dem Motto „Das ist unnötig, das kann weg“, und zwar solange bis man den perfekten Aufbau geschaffen hat. Das Schreiben einer Publikation erfordert somit Freude an Reduktion und viel Genauigkeit, da hier jedes einzelne Wort zählt.

 

Der Vorteil der Monografie ist hingegen, dass man so viel schreiben kann, wie man will. Solange man dabei nicht den Überblick verliert, ist dem Umfang keine Grenze gesetzt (wobei ein Blick in die Prüfungsordnung nicht schaden kann).

 

Publizieren dauert laaaange

 

Während eine Monografie von zwei, manchmal drei Gutachtern, von denen mindestens einer dein direkter Betreuer ist, beurteilt wird, durchläuft die Publikation einen internationalen Reviewprozess.

 

Das bedeutet: Weil eine Monografie bei der internen Begutachtung praktisch hausintern verarbeitet wird, ist die Gefahr inhaltlicher und methodischer Kritik, die dich zwingt, alles neu aufzurollen, relativ klein. Schließlich haben dein Betreuer und du die Studie gemeinsam entwickelt. Somit kann da also nach dem Abgeben nicht mehr viel schief gehen.

 

Reviewer im Rahmen des Publikationsprozesses kommen aber aus fremden Arbeitsgruppen, die sich mit ähnlichen Themen beschäftigen, aber sehr wahrscheinlich anderen Forschungsparadigmen folgen und deine Methodik, Auswertung und Interpretation im schlimmsten Fall als totalen Unsinn einstufen.

 

Was folg, ist dann entweder die sofortige Ablehnung deines Papers oder ein ellenlanger Revisionsprozess, im Zuge dessen die Publikation stark überarbeitet werden muss – und zwar häufig in allen Bereichen: hinsichtlich der Literatur, der Auswertung und ganz sicher der Diskussion der Ergebnisse.

 

Steht also in deiner Promotionsordnung, dass die Promotion eingereicht werden darf, sobald die zugrunde liegende Publikation akzeptiert wurde, musst du neben dem Schreiben noch sehr viel zusätzliche Zeit für den Revisionsprozess einplanen.

 

Deutlich bessere Karten hast du, wenn die Promotionsordnung vorsieht, dass die Publikation nur veröffentlichungsfähig sein muss– das ist nämlich dann erreicht, wenn das Manuskript beim Journal eingereicht wurde. Der Reviewprozess kann dir in diesem Fall total egal sein, denn eingereicht ist eingereicht.

 

Wenn dich der vorherige Punkt nicht abgeschreckt hat und du dich trotzdem für eine Publikation entscheidest, solltest du dich über die folgenden Punkte genau informieren, denn diese helfen dir, den Publikationsprozess zumindest etwas zu verkürzen:

 

Welches Journal kommt für mich in Frage?

 

Die Antwort findest du, wenn du dir ehrlich überlegst, wie relevant deine Ergebnisse für die weltweite Forschungsgemeinschaft überhaupt sind. Je unsicherer du dir bzgl. der Qualität deiner Ergebnisse, des Studiendesigns, der Datenerhebung oder deren Auswertung bist, vor allem aber je weniger Erfahrung du selbst oder dein akademischer Betreuer im Bereich Publikation hast, desto weiter „unten“ solltest du bei der Journalauswahl ansetzen.

 

Und wie definiert sich „unten“? Ganz klar – über den Impact Factor (IF). Dieser gibt an, wie häufig eine Publikation dieses Journals in Form einer Referenz innerhalb anderer Publikationen erwähnt wurde. Je häufiger das passiert, desto höher ist der Impact Factor. Es ist daher wichtig, dass du herausfindest, welcher IF in deiner Disziplin als hoch gilt, welchen IF Journale im Mittelfeld haben und welchen das übliche Wald-und-Wiesen-Journal hat.

 

Generell gilt: Je tiefer du einreichst, desto besser stehen deine Chancen, schnell und schmerzlos zu publizieren.

 

Daher prüfe die Qualität deiner Arbeit genau und reiche sie dann bei einem passenden Journal ein.

 

Mag das Journal dein Thema?

 

Ein zweiter wichtiger Punkt, den du bei der Auswahl deines Zieljournals beachten solltest, ist, ob das Journal sich mit deiner Forschungsfrage beschäftigt.

 

Das ist tatsächlich gar nicht so trivial. Journale können fast identische Namen besitzen und trotzdem unterschiedliche Interessensschwerpunkte haben, denn auch auf diesem Markt sucht jeder seine Nische. Reichst du beim falschen Journal ein, ist das verschwendete Lebensenergie.

 

Lies dir daher unbedingt bei jeder Journal-Homepage den Abschnitt „About the Journal“ durch. Hier steht klipp und klar, wofür das Journal steht und was für Forschungsarbeiten es veröffentlichen möchte. Passt es nicht zu deiner Arbeit, such dir ein anderes.

 

Welche Formatvorgaben hat dein Journal?

 

Anders als deine Uni, die zwar auch spezielle Anforderungen an die Formatierung deiner Arbeit hat und die du bei der Einreichung deiner Dissertation so oder so einhalten musst, haben Journale noch einmal deutlich strengere und vor allem einzigartige Formatierungsstile.

 

Das betrifft zum einen den Zitationsstil (den du aber glücklicherweise in Zitationsprogrammen wie Mendeley völlig automatisch anpassen kannst), zum anderen − und das ist deutlich nerviger − betrifft es den Aufbau und die Formatierung des Manuskripts selbst.

 

Dies beginnt bei den Titeln der Tabellen und geht über zu den Breiten der Grafiken, den verwendeten Schriftgrößen in den Grafiken, der Platzierung der Legenden, der Art der verwendeten Linien, die Anzahl der Dezimalen des p-Wertes, wenn er signifikant ist, was sich wiederum von den Anzahl der Dezimalen unterscheiden kann, wenn er nicht signifikant ist. Du kannst es dir vorstellen.

 

Ich habe mittlerweile so vielen Klienten beim Publizieren geholfen, dass ich mich bei der Frage nach dem WARUM dieser endlosen Anzahl von Formatierungsstilen für die einzig mögliche Erklärung entschieden habe: Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass ein Journal erst dann zugelassen wird, wenn es sicher nachweisen kann, dass es einen einzigartigen Formatierungsstil hat. Vielleicht ist das so eine Art interne ISBN-Nummer, anhand derer sich Journale untereinander erkennen. Verwundern würde es mich nicht.

 

Das heißt also: Wenn du dich für die Publikation entscheidest, solltest du dir schon vor dem Schreiben überlegen, wo du publizierst und die Formatierungsvorgaben sofort umsetzen. Sie erst im Nachhinein integrieren zu wollen, wird dich jede Menge Nerven und schlaflose Nächte kosten.

 

Publikationen haben Anleitungen, Monografien werden sich selbst überlassen

 

Doktoranden, die Monografien schreiben, melden sich sehr oft bei mir, weil sie einfach nicht wissen, was sie wann, wie, wo schreiben sollen.

 

Die Unis geben den Doktoranden meistens nur eine sehr kurze Hilfe an die Hand, in der neben dem Zitationsstil und einer kurzen Anweisung bzgl. der Formatierung des Manuskriptes meist nur steht, dass man doch bitte eine Zusammenfassung, eine Einleitung, eine Methoden- und einen Ergebnisteil sowie eine Diskussion schreiben soll. Wenn es gut läuft, gibt es noch eine inhaltliche Kurzbeschreibung der einzelnen Teile, das ist dann aber in 99 % der Fälle schon das höchste der Gefühle.

 

Hat du dann noch einen Betreuer, der wenig Zeit und Muße hat, sich mit deinen Schreibproblemen zu beschäftigen, stehst du ziemlich schnell alleine da und weißt nicht mehr weiter.

 

Daher empfehle ich jedem Doktoranden, der eine Monografie verfassen möchte, sich einfach an Publikationen zu orientieren – klingt bescheuert? Ist es aber nicht!

 

In den letzten Jahrzehnten wurden so viele Manuskripte veröffentlicht, deren Methoden und Ergebnisteile gelinde gesagt unzureichend waren, dass sich verschiedene Fachgremien überlegt haben, dass es doch von nun an besser wäre, den Autoren für jeden Studientyp eine genaue Anforderungsliste an die Hand zu geben.

 

Was einerseits ein (aufwendiger) Nachteil ist, weil es sehr nervig sein kann, jedes kleinste Detail herauszusuchen und zu berichten, birgt gleichzeitig aber auch viele Vorteile.

 

Mittlerweile findet man auf jeder Journalhomepage unter der Sektion „Authors guide“ oder auch „Instructions for Authors“ eine riesige Untersektion, in der man sich nur seinen Studientyp heraussuchen muss, auf einen Link klickt, um dann zu einer Übersichtsplattform geführt zu werden, auf der genau erklärt wird, was, wann, wie, wo berichtet werden muss.

 

Diese Listen kann man als Doktorand einer Monografie natürlich ebenfalls abarbeiten − und zack ist die Struktur der Arbeit klar.

 

Ist man also schlau, ist auch das Verfassen einer Monografie für alle machbar, denen gerade die „Herzstücke“ des Manuskripts, also die Methoden und die Resultate ein absoluter Graus sind und deren Betreuer sie wenig unterstützen.

 

Deine Betreuerin profitiert von Publikationen – und das solltest du ausnutzen

 

Publikationen bringen Punkte, und Punkte bringen Ansehen und Drittmittel. Das ist nun mal so. Als ich promoviert habe, wurde zweimal jährlich im gefürchteten Morgenmeeting aufgedröselt, welche Arbeitsgruppe wann, wie, wo publiziert hat und wie unser Institut im Vergleich zu den anderen innerhalb der Uniklinik rankte.

 

Zu wenige Publikationen waren schlecht, gaaanz schlecht. Da gab es dann erstmal einen Einlauf vom Institutschef.

 

Somit dauerte es natürlich auch nicht lange, bis die kumulative Dissertation (also die Dissertation in Form von drei Publikationen) die Monografie als häufigste Promotionsform ablöste. Denn plötzlich war es nicht mehr die Aufgabe der Betreuer, aus einer Monografie eine oder mehrere Veröffentlichungen zu extrahieren, sobald der Doktorand abgegeben hatte − stattdessen konnte der Doktorand dies schon während des Schreibens der Promotion selbst erledigen!

 

Diese Änderung stellte sich als unheimlich effizient heraus, denn sie erzeugte nicht nur weniger Arbeit für den Betreuer, sondern verbesserte auch ganz nebenbei die Publikationsbilanz der Institute (und somit die Laune unseres Institutsleiters) enorm.

 

Damit das Publizieren aber auch klappte, fingen die Betreuer an, sich deutlich intensiver um ihre Doktoranden zu kümmern. Arbeiten wurden gemeinsam besprochen, konzipiert und nach dem Schreiben vom Betreuer überarbeitet.

 

Eine Publikation schreibt der Doktorand somit − anders als die Monografie −  nicht allein! Betreuer haben ein enormes Interesse daran, dass sie Punkte durch die Publikation erhalten. Somit unterstützen sie ihre Doktoranden deutlich mehr.

 

Hast du also Sorge, während deiner Promotion allein auf weiter Flur zu stehen, dann such dir einen Betreuer, der viel publiziert. In publizierenden Arbeitsgruppen stehen die Chancen außerdem sehr gut, dass Projekte effizient durchgezogen und dann gemeinsam publiziert werden.

 

Das Wichtigste zum Schluss

 

Bevor du dich auf eine Form festlegst, musst du die Ergebnisse deiner Untersuchung kennen. Null-Ergebnisse können nur sehr schwer publiziert werden, weil sie sich schlechter als Beitrag zur Forschung verkaufen lassen. Obwohl Studien heute vor Beginn registriert werden müssen und nicht mehr so einfach in der Versenkung verschwinden können, heißt das aber noch lange nicht, dass die Ergebnisse auch nach deren Beendigung publiziert werden.

 

Das bedeutet also, dass eine Publikation nur für Dissertationen mit ausreichend aussagekräftigen Ergebnissen in Frage kommt. Ist das bei dir nicht der Fall, kommst du deutlich besser voran, wenn du die Monografie wählst. Hier lassen sich auch Studien mit methodischen Fehlern oder fehlenden Ergebnissen sehr gut „verkaufen“.

 

Fazit:

 

Monografien und Publikationen haben jeweils sehr spezifische Vor- und Nachteile, die man individuell abwägen muss.

Sobald die Resultate deiner Dissertation vorliegen, solltest du dich fragen:

 

Wie umfangreich sind meine Ergebnisse?

Schreibe ich lieber kurz und präzise, oder lang und etwas mehr in die Tiefe gehend?

Was sind meine langfristigen Ziele? Kann mir die Publikation oder die Monografie besser dabei helfen sie zu erreichen?

Habe ich genug Zeit, den Publikationsprozess abzuwarten?

Und vor allem: In welchem wissenschaftlichen Umfeld schreibe ich meine Dissertation?

Trag dich hier für Dr. Ortmanns beste Maildizin ein und erhalte regelmässige Tipps für deine medizinische Promotion

 

 

 

Du möchtest ein wissenschaftliches Lektorat deiner Dissertation oder Masterarbeit? Dann schreib mir gern:

14 + 10 =

Desiree Freier: Mein steiniger Weg zum Dr.med.

Desiree Freier: Mein steiniger Weg zum Dr.med.

Mein Name ist Désirée und ich freue mich, heute bei meiner Kollegin Dr. Magdalene Ortmann einen Gastbeitrag schreiben zu dürfen. Ich begleite als Ärztin und Wissenschaftlerin an der Charité erfolgreich Doktorand*innen zu ihrer Promotion. Ich habe selbst an der Charité-Universitätsmedizin studiert und bin seit 2014 in der Wissenschaft tätig. In meiner Freizeit habe ich für meine Doktorand*innen „Step-by-Step zum Doktor med“ gegründet.

 

Ich möchte euch heute von meinem teilweise steinigen Weg während der Promotionsphase erzählen und euch damit Mut machen. Mein Weg war nicht immer eben, aber ich habe es geschafft, alle Hürden zu überwinden, und mittlerweile einen Expertenstatus erreicht, den mir keiner mehr nehmen kann.

 

Vergleich 3er verschiedener exponentieller Wachstumskurven des Coronavirus.

 

Meinen Einstieg in das Thema Promotion fand ich als Studentin im 6. Semester im Zuge einer wissenschaftlichen Hausarbeit. Hier beschäftigte ich mich mit dem Thema Burnout bei Rheumapatienten und war das erste Mal während des Studiums auf mich allein gestellt. Eine systematische Literaturrecherche sollte es werden. Dunkel erinnerte ich mich, dass ich dazu im vorherigen Semester einen Kurs belegte, in dem ich allerdings eher meinen nächsten Sommerurlaub plante. „Warum nur “, fragte ich mich, „… hast du nicht besser aufgepasst?! Jetzt hast du den Salat!“

 

Ich saß also an meinem Schreibtisch und wusste nicht, wo ich anfangen sollte. Warum ich damals in dem Kurs nicht aufgepasst hatte, war mir eigentlich schnell klar: Zu diesem Zeitpunkt brauchte ich dieses Wissen nicht. Jetzt hätte ich es gerne noch einmal abgerufen, aber Online-Kurse waren zu diesem Zeitpunkt noch ein Fremdwort in der Uni.

 

Also suchte ich nach Möglichkeiten, um mir einen Überblick darüber zu verschaffen, wie ich eine systematische Literaturrecherche schreibe. Meine Betreuerin war mir dabei leider keine große Hilfe, da sie selbst viel zu tun hatte. Zudem war es aber auch nicht ihre Aufgabe, denn eigentlich hätte ich die nötigen Grundlagen ja bereits gelernt.  

 

Das Internet war bei meiner Suche nach einer Strategie für die systematische Literaturrecherche leider überhaupt nicht hilfreich. Ich schrieb mich also letzten Endes in einen von der Universität angebotenen Promotionskurs ein, um wenigstens einen groben Überblick zu erhalten, obwohl ich noch gar nicht an meine Promotion dachte. Dieser Kurs war insgesamt wirklich gut – aber vertiefende Details zu meinen Fragen bezüglich der Hausarbeit erhielt ich leider auch dort nicht.

 

Ich wusste jetzt aber zumindest, dass man mit PubMed am besten eine MeSH-Term-Suche durchführt und dann die Literaturergebnisse erhält. Mir blieb im Endeffekt nichts anderes übrig, als einfach loszuarbeiten und meine Betreuerin mit Emails zu bombardieren. Im Nachhinein sind mir Emails wie „Ich habe jetzt hier drei passende Literaturquellen gefunden, könnten Sie mal schauen, ob diese so passen?“ sehr unangenehm, aber ich wusste es schlichtweg nicht besser.

 

Mein Expertentipp: Heute empfehle ich dringend, die Literaturrecherche frühzeitig, am besten direkt zu Beginn einer jeden Promotion durchzuführen.

 

Hätte ich damals schon meine Arbeitsweise von heute an den Tag gelegt, hätte ich mir viel Zeit gespart. Bei diesem Arbeitsprinzip geht es darum, dass mit nur 20 % des Aufwands rund 80 % des Ergebnisses erarbeitet werden.

 

Einen wertvollen Tipp zur effektiven Literaturrecherche gebe ich euch an dieser Stelle bereits vorab: Dokumentiert jeden Suchschritt in einer Tabelle, damit ihr zu einem späteren Zeitpunkt nicht noch einmal von vorne anfangen müsst, sondern einfach updaten könnt.

 

Die Literaturrecherche wird standardmäßig auf der Datenbank PubMed betrieben; idealerweise sollte dort mit sogenannten MeSH Terms gearbeitet werden. Jedoch gibt es auch weitere Datenbanken, wie die Cochrane Libary, die ich auch für sehr wichtig erachte. Das Entscheidende bei der Literaturrecherche ist, dass ihr nicht jeden Artikel vollständig lesen müsst. Eure Arbeit sollte aber den Anspruch haben, dass ihr möglichst von allen Artikeln Kenntnis habt, die zu diesem Thema existieren.

 

Das einfache Prinzip an meiner Vorgehensweise der effektiven Literaturrecherche ist, dass ich die Literatur in meinen eigenen Worten stichpunktartig in einer Tabelle zusammenfasse und dabei gleich den Autor, das Jahr und die PMID notiere. Außerdem habe ich ein Priorisierungssystem entwickelt. Klingt banal, ist es aber nicht!

 

Wenn ihr diesen Schatz einmal erarbeitet habt, schreibt sich eure Einleitung fast selbst – ganz egal, wann ihr die Literatur gelesen habt. Ich profitiere heute noch von meinen Tabellen aus dem Jahr 2015, wenn ich Vorträge zu psychologischen Themen in der Rheumatologie halte. Gleichzeitig hat die frühzeitige und ausführliche Literaturrecherche den Vorteil, dass ihr genau wisst, worauf es bei eurer Arbeit ankommt, um einzigartig zu sein.

 

Zurück zu meiner wissenschaftlichen Hausarbeit: Das Feedback meiner Betreuung war trotz aller Bemühungen niederschmetternd. Neben den inhaltlichen Verbesserungsvorschlägen kamen Sätze wie „Wollen Sie wirklich eine Arbeit abgeben, die nicht einmal im Blocksatz formatiert ist?“ oder „Was haben Sie da für eine kindische Schriftart gewählt, diese ist nicht gängig für wissenschaftliche Arbeiten, das nehme ich so nicht an!“ und vieles mehr.

 

Wie ich mich dabei fühlte? Ihr könnt es euch sicher denken: Ich fühlte mich so unfähig und stümperhaft wie noch nie zuvor in meinem Leben. Entscheidend ist aber, was ich später feststellen durfte: Wir alle haben Fehler gemacht. Wichtig ist, dass wir daraus lernen.

 

Diesen Anspruch habe ich auch an meine eigenen Doktorand*innen und Studierenden in wissenschaftlichen Arbeiten. Ein Fehler wird genau einmal gemacht, ausgebessert und dann möglichst für immer vermieden.

 

Dass ein wissenschaftlicher Text im Blocksatz und in den Schriftarten Arial oder Times New Roman verfasst werden sollte, ist vielen zu Beginn der Wissenschaftskarriere noch gar nicht bewusst. Auch die DIN-Norm möchte ich an dieser Stelle zu erwähnen, die in all euren Tabellen und Grafiken sichtbar werden sollte – mehr Infos dazu findet ihr auf meinem Blog.

 

Nun ging es also auch bei mir endlich an die Promotion. Zwar wusste ich nun, wie ich die Literaturrecherche durchführe, wie ich jedoch eine ganze Studie planen soll, das wusste ich nicht. Es ging also wieder von vorn los … wieder klägliche Planungsversuche, wieder das Gefühl, nichts zu können, wieder Fehler, die ich gerne von vornherein vermieden hätte, wenn es mir jemand gesagt hätte.

 

Ich hatte den Eindruck, dass jeder meiner Schritte nach vorn genau drei Schritte zurück bedeutet. Aber auch diese Hürden meisterte ich, wenn auch mit einigen Umwegen, die ich euch ersparen möchte.

 

Heute erkläre ich meinen Doktorand*innen genau, worauf es bei einer guten Studienplanung ankommt. Auch hier hat mich der steinige Weg meiner eigenen Promotion zum Experten gemacht: Ich musste alle Anträge (Ethik- und Datenschutzantrag sowie Eintragung in das klinische Studienregister) selbst schreiben und wurde dafür von einigen Kommilitonen sogar belächelt.

 

Heute bin ich dankbar dafür, weil ich genau weiß, worauf es formal und inhaltlich bei der Planung einer Studie ankommt. Jede gute Studie beruht auf einem ausführlichen Projektplan und benötigt einen genehmigten Ethikantrag sowie ein positives Datenschutzvotum. Außerdem muss sie in ein Studienregister (z. B. Clinical Trials) eingetragen werden.

 

Mein Expertentipp: Achtet darauf, dass all diese Dokumente vorhanden sind, bevor ihr mit eurer Studie loslegt.

 

Nutzt außerdem die wertvollen Informationen, die dort geschrieben stehen. Hier könnt ihr vieles für den methodischen Teil eurer Arbeit nutzen. Auf meinem Blog beschreibe ich euch noch, wie ihr diese Dokumente gut verwenden könnt.

 

blank

 

Mittlerweile habe ich mehrere Publikationen veröffentlicht und wende dabei jedes Mal dieselbe, von mir etablierte, Vorgehensweise an. Das bewährte Konzept, das ich mir erarbeitet habe, entstand dadurch, dass ich bereits während der steinigen Promotionsphase immer genau so viel Eigenverantwortung übertragen bekommen habe, dass ich an meine Grenzen stieß, aber durch die Ratschläge und Einwände meiner Betreuerin doch zum Ziel kam.  

 

Über die Zeit lernte ich alles, was man für die Wissenschaft benötigt. Meine erste Erkenntnis war retrospektiv betrachtet, dass meine Studie, die ich eigenständig plante, ein sehr aufwändiges Projekt war. Dies war in meinem Fall kein Hindernis, da ich mich bereits entschieden hatte, den Weg der Universitätskarriere einzuschlagen.Ich berate allerdings heute meine Klient*innen und Doktorand*innen, die sich bewerben, sehr genau bezüglich der Themenwahl zur Promotion.  

 

Eine Promotion ist sehr zeitaufwändig – egal, welche Form der Promotion ihr wählt oder wie motiviert ihr seid. Viele externe Gegebenheiten, wie zum Beispiel die Zustimmung der Ethikkommission oder das unterschiedliche Patientenaufkommen, kosten teilweise enorm viel Zeit und Nerven. Viele experimentelle Doktorarbeiten werden sogar deshalb abgebrochen, weil ein Experiment noch nicht etabliert ist und nicht so gelingt, wie es geplant war.  

 

Ein weiterer wichtiger Punkt bei der Wahl des Promotionsthemas ist neben dem Aufwand auch die dahinterstehende Betreuung. Ihr müsst bedenken, dass ihr mit diesem Menschen wahrscheinlich über mehrere Jahre  eng zusammenarbeitet. Auch hierzu ist noch ein gesonderter Blogbeitrag von mir geplant, da ich dieses Thema für enorm wichtig erachte.  

 

Da für mich, wie auch für meine Kollegin Frau Dr. Ortmann, die gute wissenschaftliche Praxis und die Prozessoptimierung an erster Stelle stehen, möchte ich mein Wissen mit euch teilen und euch einige Stolpersteine während der Promotion ersparen.  

 

Ich habe deshalb eine Anleitung zu allen Grundsätzen und wichtigen Rahmenbedingungen der medizinischen Promotion in einem Online-Kurs zusammengefasst.  

 

Je mehr wir wissen, desto weniger angreifbar sind wir!  

 

Neben den persönlichen zeitfressenden Stolpersteinen können leider auch ernsthafte Konsequenzen aus Unwissenheit entstehen. Gerade hinsichtlich des Datenschutzes sind in den letzten Jahren immer strengere Richtlinien für klinische Studien entstanden. Wusstet ihr zum Beispiel, dass es strengstens untersagt ist, die Primärdaten, welche selbstverständlich von euch vollständig pseudonymisiert worden sind, neben dem Ordner mit der Patienten-Identifikationsliste abzustellen? Dies ist nur eines von vielen Beispielen zum datenschutzkonformen Umgang mit Patientendaten.  

 

Leider gilt hier der Grundsatz: Unwissenheit schützt vor Strafe nicht!   Ich hatte das Glück in einem Studienteam zu sein, welches eine eigene Datenschutzbeauftragte hatte, die mir alles erklärte. Vielen geht es allerdings nicht so. Vielleicht wisst ihr am Ende sogar am meisten darüber …  

 

Auch ein transparenter Umgang mit wissenschaftlichen Daten hinsichtlich der Auswertung ist enorm wichtig. Man kann immer irgendetwas berechnen, nur ob es Sinn ergibt oder gar versehentlich Aussagen verdreht, ist nicht immer klar. Deshalb empfehle ich an dieser Stelle auch immer mit Menschen wie Frau Dr. Ortmann zusammenzuarbeiten. Überlasst die Statistik den Profis! Auch ich hole mir immer wieder statistische Beratung für meine Studien.  

 

Mein Fazit aus dem teils steinigen Weg zur Promotion ist, dass ich keinen meiner Schritte bereue, weil sie mich zu der Frau gemacht haben, die ich heute bin, nämlich eine Ärztin, Wissenschaftlerin und leidenschaftliche Promotionscoachin. Möchtet ihr eine Abkürzung gehen und einen Weg mit weniger Stolperfallen und Steinen beschreiten? Dann schaut gern bei mir auf der Website vorbei oder schreibt mir eine E-Mail (stepbystepzumdoktormed@gmail.com).  

 

Ich hoffe, ich konnte euch mit diesem Beitrag motivieren, nicht aufzugeben. Lasst euch nicht von Fehlern oder Kritik durch eure Betreuung entmutigen. Es ist noch kein*e Experte*in vom Himmel gefallen, aber wir alle können dazu werden.  

 

Eure Désirée  

 

Trag dich hier für Dr. Ortmanns beste Maildizin ein und erhalte regelmässige Tipps für deine medizinische Promotion

 

Wie vermeide ich, dass fehlende Daten meine Doktorarbeit ruinieren?

Wie vermeide ich, dass fehlende Daten meine Doktorarbeit ruinieren?

Langzeitstudien mit vielen Messterminen bergen ein nicht zu unterschätzendes Fehlschlagrisiko (und das ist britisches Understatement).

Sie liefern den Alptraum, der Doktoranden in schlaflosen Nächten besuchen kommt, frei Haus UND kostenlos mit. Und dieser wabbelige Besucher heißt:

 

Fehlender Wert.
blank
 

Fehlende Werte sind so ziemlich das Schlimmste, was einer Studie passieren kann. Denn jeder fehlende Wert bedeutet, dass der entsprechende Patient die Studie verlässt.

 

Warum ist das so?

 

In Langzeitstudien werden vorab definierte Zielvariablen über einen langen, laaangen Zeitraum wiederholt gemessen. Dies ermöglicht es die Entwicklung dieser Variablen über eine oder mehrere Interventionen hinweg zu beobachten und / oder  zu vergleichen.

In der Statistik haben wir für sich wiederholende Messungen (tata!) Tests mit Messwiederholung (da würde man jetzt nicht drauf kommen…).

Das kann z.B. Modell für den Vergleich zweier Messpunkte innerhalb einer Gruppe ein gepaarter T-Test sein, oder wenn man mehr als zwei Messpunkte hat, die ANOVA mit Messwiederholung (oder auch repeated-measures ANOVA genannt).

Diese und ähnliche Verfahren erfordern nun aber, dass jeder Messpunkt für wirklich jeden Probanden vorhanden ist (Näheres dazu bald in einem Artikel zur ANOVA).

Wenn ein Patient beispielsweise nicht zum Messtermin erscheint oder ein Wert aus Versehen nicht erhoben wird, dann habt Ihr diesen Patienten an allen anderen Messterminen leider umsonst gemessen (falls du deine Datenerhebung schon beendet hast, bekomm jetzt bitte keinen Schreikrampf – auch wenn es angebracht wäre).

Natürlich gibt es immer Wege fehlende Werte zu schätzen (z.B. durch Interpolation oder Imputation), aber in Patientenstudien und gerade bei solchen, die nur wenig Probanden haben, wird das nicht gern gesehen.

 

Was ist also die Lösung, um fehlende Werte in den Griff zu bekommen?

 

Ganz einfach: VERMEIDE SIE.

 

Und das ist nicht nur irgend so eine idealistische Phrase von jemanden, der immer nur nett am Schreibtisch sitzt, Daten auswertet und keine Ahnung vom wirklichen Leben in der Klinik hat. Meine gesamte Dissertation beruht auf Studien, in denen ich Patienten über Zeiträume von bis zu sechs Monaten immer und immer wieder mit langwierigen Messungen traktiert habe.

Das waren Kinder, deren Mütter blitzschnell dabei sind die Kabel abzureißen und mit den Kindern aus dem Labor zu stürmen, wenn es auch nur den Anschein hat, dass da etwas nicht läuft. Aber auch Erwachsene über 70, bei denen man schon wirklich viel Überzeugungsarbeit leisten muss, damit diese nach einem langen Kliniktag noch einmal zwei Stunden in der EEG-Kammer sitzen.

 

Am Ende meiner drei Studien hatte ich genau einen einzigen fehlenden Wert und das auch nur, weil mein Patient aufgrund seines wirklich gehobenen Alters verstorben ist. So etwas ist dann einfach Pech und ich denke bis heute sehr gern an diesen netten älteren Herren mit seinem wunderbaren Humor zurück.

 

Wie habe ich das erreicht?

 

Ich habe mich an ein paar einfache Regeln gehalten:

 

> Sei deine eigene Study-Nurse

Niemand, aber auch wirklich niemand, kann besser dafür sorgen, dass Patienten zur Messung bzw. zum Kontrolltermin kommen, als du. Und warum?

Weil niemand ein größeres Interesse an seiner Anwesenheit hat.

Nehmen wir es, wie es ist: Jeder andere profitiert wahrscheinlich sogar davon, wenn der Patient nicht kommt, denn das bedeutet weniger Stress im klinischen Alltag.

Dem entsprechend wird auch niemand außer dir dafür freiwillig Sorge tragen.

Also schwing dich ans Telefon und rufe deinen Patienten 1-2 Tage vor dem Termin an und sag ihm, wie sehr du dich freust, ihn zum Kontrolltermin begrüßen zu dürfen.

 

> Traue Niemanden. Besteche jeden.

Seien wir ehrlich. Nicht jeder Test macht zu jedem Termin Sinn. In meiner Dissertation haben die Logopäden und Audiometristen völlig zurecht moniert, dass es wenig Sinn macht sehr komplexe Sprachreize kurz nach Aktivierung des Cochlea Implantats zu testen. Demensprechend waren Sie jedes Mal kurz davor entsprechende Tests einfach weg zu lassen.

Aber weißt du was? Zu glauben, dass ein Patient ein Ergebnis x zeigen wird, ist keine Erlaubnis einen entsprechenden Wert x auch hinzuschreiben (z.B. eine „0“ à la „versteht nix“).

Ein fehlender Wert ist ein fehlender Wert und wird auch als fehlender Wert eingetragen.

Also ist es deine Aufgabe den entsprechenden Test eigenhändig durchzuführen oder zumindest den entsprechenden Mitarbeitern so lange auf den Keks zu gehen (oder Kekse zu schenken) bis der Test zuverlässig durchgeführt wird. Und zwar immer!

 

> Baue vor Beginn der Studie ein übersichtliches Studienprotokoll, in das jeder erhobene Wert easy peasy eingetragen werden kann.

Das A und O eines vollständigen Datensatzes ist Komfort. Klinikalltag ist stressig. Jeder möchte nur möglichst schnell durchkommen. Wenn sich also nur die kleinste Möglichkeit für ein entschuldbares Weglassen des Tests bietet, dann wird diese Chance ergriffen!

Also erstelle für jeden Patienten einen eigenen Ordner mit allen Testunterlagen, die pro Messtermin benötigt werden. Oben drauf kommt dann ein Protokollbogen, auf dem alle relevanten Daten eingetragen und die Tests nacheinander abgehakt werden können. 

Spezialtipp: Wenn du eine Randomisierung der Testreihenfolge eingebaut hast, sortiere die Testunterlagen für jeden Messtermin entsprechend.

 

> Gehe auf Nummer sich und teste selber.

Jetzt möchtest du mir wahrscheinlich eine scheuern. Denn selber testen ist eine Wahnsinnsarbeit. Es kostet enorm viel Zeit und Energie.

Aber weißt du was? Ein löchriger Datensatz kostet dich noch mehr. Ich habe immer wieder Studien auf meinem Tisch, bei denen eine Dissertation lange Zeit nicht abgeschlossen werden kann, weil die Datenauswertung aufgrund der fehlenden Werte ein einziges Desaster ist.

Glaub mir, ein Betreuer kann ganz schnell die Lust an einem Projekt verlieren, wenn sich abzeichnet, dass die Datenbasis schlecht ist. Und dann muss nicht nur eine Strategie her wie man mit den fehlenden Werten umgeht, sondern auch ein Schlachtplan entwickelt werden, wie man die Dissertation durchbekommt.

 

Und da bestätigt sich wieder Punkt 1: Das größte Interesse an einer lückenlosen Messung hast du – und keiner sonst.

 

Also umgarne deine Patienten damit Sie kommen, messe am besten alles selber und baue vor Beginn der Studie für jeden Patienten einen eigenen Studienordner.

Auf diese Weise wird aus dem dicken Monster (mit ein bisschen Einsatz) eine schnurrende Katze, die dich nachts wärmt und für gute Träume sorgt (und jetzt rate mal warum ich seit meiner Dissertation sogar zwei Katzen habe….).

 

blank

Trag dich hier für Dr. Ortmanns beste Maildizin ein und erhalte regelmässige Tipps für deine medizinische Promotion

 

10 Dinge, die ich gerne vor Beginn meiner empirischen Doktorarbeit gewusst hätte!

10 Dinge, die ich gerne vor Beginn meiner empirischen Doktorarbeit gewusst hätte!

Deine Doktorarbeit steht an und du möchtest von Anfang an Fehler vermeiden? In diesem Artikel zeige ich dir wie du das schaffen kannst!

1. Schreib über ein Thema, das dich wirklich interessiert!

Eine empirische Dissertation dauert – wenn es richtig gut läuft – 2 Jahre. Viel wahrscheinlicher ist es aber, dass du 3 bis 4 Jahre mit demselben Thema verbringen wirst. Das wird selbst für Leute, die für die Forschung geboren sind, irgendwann langweilig. Zu promovieren bedeutet, sich intensiv mit ein paar kleinen Details zu befassen und diese in bis zu drei Studien zu untersuchen. Du wirst dich also seehr, seeehr, seeeehr lange mit ein und derselben Sache beschäftigen. Das hält nur durch, wer für sich wirklich für ein Thema interessiert (oder einen Hang zu Selbstquälerei hat).

 

2. Eine kumulative Dissertation spart Zeit (äh nein).

Viele Fakultäten bieten heutzutage die kumulative Dissertation an. Man schreibt dabei bis zu drei Paper für Fachzeitschriften und spart sich die 200-seitige Monografie. Was sich im ersten Moment sehr gut anhört (90 vs. 200 Seiten, das geht doch eindeutig schneller), kann sich im Endeffekt als Trugschluss herausstellen, denn auf die Details der Promotionsordnung kommt es an!

Ein Paper zu veröffentlichen, dauert durch den Reviewprozess sehr lange und beinhaltet oft mehrere Überarbeitungsrunden. So muss man bis zum einem Jahr extra Zeit einplanen, bis die Publikation wirklich akzeptiert wird. Diese Zeit muss durch Drittmittel abgedeckt sein, denn irgendwie musst du deine Miete ja bezahlen. Schau dir zu Beginn also genau an, was in der Promotionsordnung steht:

Wie viele Paper müssen akzeptiert sein, bevor du abgeben darfst, und wie viele müssen nur „veröffentlichungsfähig“ sein? Diese Paper müssen dann qualitativ so ausgereift sein, dass sie einem Fachjournal zugeschickt werden können, müssen aber noch nicht akzeptiert sein – ein Unterschied von bis zu einem Jahr!

 

3. Mach einen Vertrag mit deinem Doktorvater.

Let’s face it – sobald du deinen Vertrag unterschrieben hast, bist du der Arbeitssklave deines Chefs (und nein, Frauen sind als Betreuer auch nicht besser). Ich habe diverse Male erlebt, dass Doktoranden mit immer neuen Aufgaben überrascht wurden, die sie unbedingt noch schnell erledigen müssen, aber dann, ja dann dürften sie ganz sicher alles zusammenschreiben und abgeben. Bei nicht wenigen ist dieser Tag nie gekommen, denn irgendwann waren die Drittmittel weg und die Diss noch sehr weit entfernt davon, als dickes Buch im Wandschrank zu glänzen.

Um dem vorzubeugen, ist es extrem wichtig, vor Beginn der Promotion in einem Exposé zusammenzufassen, was untersucht werden soll und wie viele Studien und Publikationen damit verbunden sind. Das Ganze wird noch rechtssicherer, wenn eine Promotionsvereinbarung verfasst und vom Doktoranden, dem Betreuer und dem Promotionsbüro der jeweiligen Fakultät unterschrieben wird. So kann man am Ende auf die Vereinbarung verweisen und ist auf der sicheren Seite (und eines Tages ist Dobby, der Labor-Elf frei, juhuu!).

 

4. Ich habe Geld für 3 Jahre, Füße hoch!

Du hast dein Traumthema gefunden, jemand hat dir einen Dreijahresvertrag gegeben; die wahnsinnig spannenden Forschungskolloquien und die coolen, superteuren Messgeräte im Labor geben dir das Gefühl, dass du erstmal alles in Ruhe entdecken musst. Das stimmt und Neugier ist eine richtig gute Sache, denn wer die nicht hat, passt auch nicht in die Forschung – ABER: Im Studium hatte alles eine unheimlich hohe Taktzahl an Aufgaben, die man recht schnell abarbeiten konnte. Forschung ist anders, denn hier dauert alles unheimlich lange.

Ein tragfähiges Forschungsparadigma zu entwickeln – braucht lange. Eine Messung aufzubauen – braucht lange. Datenanalyse – braucht lange. Und ein Manuskript zu schreiben und durch den Reviewprozess zu kriegen – dauert richtig, richtig, richtig lange. Es ist also enorm wichtig, von Beginn an auf die Tube zu drücken. Das heißt nicht, dass du nicht alle spannenden Angebote mitnehmen sollst, die dir deine Forschungsgruppe bietet. Aber anstatt spät in den Tag zu starten und gegen vier nach Hause zu gehen (ja ich weiß, dass du nur eine 65 %-Stelle hast), richtest du dir besser ab dem ersten Tag eine feste Arbeitsroutine ein.

Starte um 9 und gehe um 18 Uhr nach Hause. Halte die Mittagspause ein, aber gehe nicht noch 3x ins Nachbarbüro und trinke einen Kaffee mit Kollegen, auch wenn der Kopf raucht. Hab immer im Kopf, dass dein Geld irgendwann weg ist – und eine Diss im Postdoc oder in einer Firma zu Ende zu schreiben, bedeutet viele Nacht- und Wochenendschichten. Glaub mir, ich weiß, wovon ich rede.

 

5. Setz dich nicht unter Druck – du lernst noch!

Als ich gerade meine Diplomarbeit in der Hirnforschung beendet hatte und noch nicht in mein neues Labor nach Münster gewechselt bin, war es meine Aufgabe, die neuen Diplomanden und Hiwis in die Matlab-Auswertung einzuführen. Ich habe mich dabei wahnsinnig unter Druck gesetzt. Aus irgendeinem Grund war ich der Meinung, mit dem Diplom in der Tasche und als Quasidoktorand allwissend sein zu müssen – was für ein Blödsinn!

Als Doktorand hast du durch die Masterarbeit zwar schon eine eigenständige Forschungsarbeit erledigt, aber eigentlich fängt dein Weg als Forscher erst jetzt richtig an. Du wirst deine Projekte von der Pike auf selbst entwickeln, sie werden deine Handschrift tragen und in allen Einzelheiten von dir bearbeitet werden – und das ist richtig schwierig!

Dementsprechend ist es auch ganz normal, wenn du dafür Zeit und Anregungen brauchst. Dafür ist dein Promotionsbetreuer da! Lass dir die Zeit, dich in die Literatur und die Methodik einzulesen – so bekommst du das feste Wissens- und Fähigkeitsfundament, das dich später, nach vielen, vielen Jahren als Wissenschaftler, wie der allwissende Held der Forschung aussehen lässt für die du deine Chefs hältst.

Wenn du täglich einen 9-Stunden-Tag an der Uni einplanst, solltest genug Zeit haben, dir dein Expertenwissen aufzubauen. Also relax, take your time and become the master of the universe!

 

6. Such dir ein Stipendium!

Sein eigenes Ding durchzuziehen und eine tolle Doktorarbeit zu schreiben, ist möglich! Dafür braucht man aber sehr viel Geld – zumindest um den eigenen Lebensunterhalt während der gesamten Promotion zu bestreiten.

Als ich im letzten Semester meines Studiums war, habe ich lange überlegt, wie es weiter gehen könnte. Ich wollte unbedingt in die Forschung. Also habe ich mir viele Stellenausschreibungen angesehen, mich beworben und hatte letztendlich ein Stellenangebot vom Max-Planck-Institut in der Tasche. Trotzdem wurde ich immer unruhiger, da ich seit einiger Zeit die Idee hatte, mein eigenes Forschungsprojekt zum Thema Kortikale Plastizität zu entwickeln.

Bei der Entscheidung hat mir damals mein Diplomarbeitsbetreuer geholfen: Es wird immer (mehr oder weniger) passende Stellenangebote geben, aber eine gute Idee gibt es nur einmal! Also habe ich dem MPI abgesagt, mich auf ein Stipendium beworben, die Auswahltagung mitgemacht, zeitgleich (grenzdebil-optimistisch) eine Wohnung in Münster angemietet und meine ganze Zukunft auf eine Karte gesetzt.

Super riskant, aber es hat sich gelohnt! Als die Zusage kam, hatte ich meine eigenen Personalmittel für 3 Jahre, Reisegelder, inhaltliche Unabhängigkeit und ein Projekt, das mich 4 Jahre lang auch durch die Frustrationstäler der Dissertation getragen hat.

 

7. Du wirst nicht CRISPR-Cas9 entdecken.

Zumindest ist es sehr, sehr unwahrscheinlich. Natürlich startet jeder Doktorand mit dem Ziel, einen riesigen Komplex an neuen Erkenntnissen zu erarbeiten (am besten gleich im ersten Paper). Das Problem dabei ist – ihr seid keine Senior Researcher – selbst wenn ihr eine unglaubliche Entdeckung machen würdet: die anderen Forscher werden euch das Ganze höchstwahrscheinlich nicht abkaufen.

In den unzähligen Kolloquien, in denen ich war, habe ich eine Beobachtung gemacht: Je älter und erfahrener ein Forscher war, desto weniger Details standen in den Vorträgen auf den Folien. Diese Forscher haben über Jahrzehnte hinweg unzählige Studien durchgeführt, jede Studie hat ein Minidetail eines Forschungsfeldes bearbeitet und diese riesige Menge an Details, das ist das Knallerergebnis, das man sich wünscht.

Daher ist es ganz normal, wenn man kleine (sehr kleine) Brötchen pro Studie backt – erst ihre Gesamtheit ist der bahnbrechende Fortschritt.

 

8. Forschung ist ergebnisoffen.

Im Studium wird alles bewertet. Jede Hausarbeit, jede Klausur, jeder Vortrag bekommt eine Note und somit ein richtig oder falsch. Darin unterscheidet sich das Studium ganz grundlegend von der Promotion. Von nun an wirst du ergebnisoffen arbeiten. Du wirst basierend auf der bisherigen Literatur Hypothesen generieren, du wirst Daten erheben und auswerten und ein Paper schreiben, das argumentativ so aufgebaut ist, dass deine Hypothesen bestätigt werden.

Aber letztendlich muss dir klar sein, dass es von nun an kein richtig oder falsch mehr gibt. Vielleicht stellt sich schon während der Datenanalyse heraus, dass es sich ganz anders verhält, als du dir das gedacht hast. Vielleicht bestätigen deine Messungen auch deine initialen Hypothesen und irgendein Reviewer sagt dir dann, dass du trotzdem einen ganz wichtigen Aspekt in deinem Paradigma nicht beachtet hast und allein deshalb schon alles ganz anders sein kann. Und das Schlimme ist – vielleicht hat er Recht, vielleicht auch nicht.

Nur eine große Anzahl von Studien, durchgeführt von vielen verschiedenen Forschergruppen, schafft letztendlich Gewissheit. Was aber immer hilft, um Vertrauen in die eigenen Ergebnisse zu haben: Methodisch sauberes Arbeiten. Erstellt gute Studiendesigns, messt genug Leute und wertet ohne inneren Bias aus (und zwar alle Probanden und nicht nur die, die das entsprechende Ergebnis liefern – alles schon erlebt).

 

9. Lies, was dir Spaß macht.

Ich gebe es ehrlich zu, Promotionsthemen sind auf Dauer ein bisschen öde. Man beschäftigt sich sehr lange mit dem gleichen Thema. Dummerweise hat man aber nicht allzu viel Zeit, um sich parallel zum Generalisten ausbilden zu lassen, sondern steckt ziemlich viel Energie in diese eine Arbeit.

Mein Doktorvater hat mir damals einen sehr guten Tipp gegeben: „Wenn du in der Forschung bleiben willst, musst du das hier wahrscheinlich 40 Jahre lang durchhalten (sowohl die Arbeitsbelastung als auch die streckenweise thematische Einöde). Also lies immer parallel irgendein Buch, das dir Spaß macht und möglichst wenig mit deinem eigenem Thema zu tun hat.“ Das war der Tipp meines Lebens!

Ich habe mich damals in die Bücher von Oliver Sacks verliebt und später dann in die Statistikbücher von Andy Fields. (Wie letzteres kam, weiß ich auch nicht, aber wir wissen alle, wohin das geführt hat.) So oder so, sich einfach mal mit einem ganz anderen Thema zu beschäftigen, hat mir ermöglicht, neue Motivation für mein eigenes Projekt zu tanken!

 

10. Und zu guter Letzt: Du wirst durch deine Promotion nicht vermögend, aber reich an Fähigkeiten!

Was jedem Doktoranden klar sein sollte: Die Chancen, dass man durch seine Promotion später mal viel Geld verdienen wird, sind eher gering. Eine Promotion öffnet Türen, sie ist aber kein Treppenlift zu den höheren Gehaltsklassen – weder an der Uni noch in der Wirtschaft.

An der Uni erlaubt sie dir, weiter zu forschen und irgendwann eine Gruppe zu leiten, in der Wirtschaft kann es sogar schwer werden, einen Job zu bekommen, denn welcher nicht-promovierte Chef möchte gerne einen nervenden Forscher ohne Praxiserfahrung mit höherem akademischen Grad in sein Team holen (ich sage nur Kompetenzgerangel).

ABER: eine Promotion schult den eigenen Denkstil ungemein. Sie trainiert uns, Themen rational, methodisch und tiefgründig anzugehen. Ich habe in den Jahren als Doktorand und Postdoc einen – wie ich finde – ganz neuen Denkstil entwickelt, der mir hilft, Sachverhalte unheimlich schnell zu verstehen, Probleme zu strukturieren und saubere Lösungsstrategien zu entwickeln, und nicht nur das!

Durch die Promotion habe ich letztendlich den Job gefunden, der mir unendlich viel Spaß macht – und das ist wirklich unbezahlbar!

Trag dich hier für Dr. Ortmanns beste Maildizin ein und erhalte regelmässige Tipps für deine medizinische Promotion